Wer andern eine Bombe baut | Christopher Brookmyre

Was willst du mal werden, wenn du groß bist?
Die Antwort war Ray schon immer schwergefallen, selbst damals, als es noch zu jedem seiner möglichen Wunschberufe eine Fisher-Price-Spielfigur gegeben hatte: Feuerwehrmann, Polizist, Arzt, Soldat, Lokführer, Busfahrer, Müllmann, Seemann, Pilot, Astronaut.
Wer andern eine Bombe baut, S. 79

Ray sitzt am Flughafen. Gestresst vom Vater-Dasein, gestresst von seinem Leben, das so anders verläuft, als er es sich immer vorgestellt hat. Er, Vater, mit Reihenhäuschen, verheiratet und mit einem öden Job als Lehrer. Dabei will er doch eigentlich nur seine Ruhe haben und zocken. Wie wäre es, das alles hinter sich zu lassen und einfach abzuhauen. Natürlich würde er das niemals machen. Aber allein die Vorstellung …

Seine Gedanken werden unterbrochen, als er in der Flughafenmenge ein Gesicht sieht, welches er eigentlich nicht sehen dürfte. Na toll, verrückt wird er jetzt auch noch. Simon ist schließlich seit drei Jahren tot und es kann unmöglich sein, dass er ihn gerade hier am Flughafen gesehen hat. Sein Verstand muss ihm einen Streich gespielt haben. Natürlich. Er ist schlichtweg übermüdet. Ab nach Hause zur Papa-Schicht und Essen vom Inder.

Wenn Ray dachte, sein Leben wäre stressig und anstrengend, wird er schnell eines besseren belehrt, als ihm beim Essen holen plötzlich zwei Gangster mit Waffen bedrohen und tatsächlich alles daran setzen, ihn umzubringen. Was zur Hölle ist bloß los? Und so beginnt der wahre Stress erst, neben dem der Schlafmangel wegen eines schreienden Babys und das Windelnwechseln auf einmal wie Traumurlaub aussehen.

Meine Meinung

Ein wirklich spannender Thriller, auch wenn diese Genrebezeichnung für mich irreführend war. Ich habe etwas komplett anderes erwartet, als das Buch abliefert. Was das Buch auf gar keinen Fall zu einem schlechten Buch macht, aber in meinen Augen ist es eben kein Thriller.

Eher ein Actionroman. Ich denke da an Action a la Bruce-Willis-blutverschmiertes-Unterhemd-Stirb-langsam-Action oder Mel-Gibson-ich-schneide-einfach-mal-diesen-Draht-durch-um-zu-sehen-ob-die-Bombe-dann-entschärft-ist-Lethal-Weapon-Action.
Schießereien, Explosionen, saucoole Charaktere mit noch saucooleren Sprüchen und einem Spritzer Humor, gerne auch schwarz. Hätte also auf dem Deckel gestanden saucooler-Bruce-Willis-Mel-Gibson-Roman-mit-Explosionen, ja, das könnte ich bestätigen. Thriller, nein, nicht für meinen Geschmack.

Conny von Pink Anemone erklärte mir, dass das für schottische Thriller wohl normal ist, aber wenn man das nicht weiß, kann das schon zu Verwirrungen oder gar Enttäuschungen führen. Dann nennt das Genre doch meinetwegen schottischer Thriller, dann weiß man, was man kriegt.

Wie dem auch sei, ist ja noch mal gut gegangen. …

Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Zuerst irritiert (auf Grund der Genre-Erwartungen), kam ich aber doch gut rein und das Buch gefiel mir sehr gut.

Wer andern eine Bombe bautGroteske Zufälle, die zu einem actiongeladenem Ende führen. Die amüsanten Metaphern des Protas auf Computerspiele bezogen, damit er in diesem ganzen Wahnsinn überhaupt klarkommt. Sehr amüsant, und in dem Buch dann auch noch sehr toll umgesetzt. Ich mag das ja sehr, wenn Bücher auch im inneren gestaltet sind und somit noch besonderer werden.

Eine wirklich unglaublich coole Story, mit saucoolen Sprüchen, einer gewissen Spur Sarkasmus und wunderbaren Rockmusikreferenzen. Sehr überspitzt, aber immer charmant und mit der bekannten schwarzen Note britischen Humors.

Ironischerweise ließ sich an ihrer einen Gemeinsamkeit auch sehr gut illustrieren, was sie so verschieden machte. Mit einem Wort: Queen. Nicht die Parasitin, sondern die Rockband: Freddie und Brian, John und Roger, Scaramouche und Beelzebub, thunderbolts and lightning. Queen war Divs Religion und Simons peinlich gehütetes Geheimnis.
Wer andern eine Bombe baut, S. 265

Zudem äußerst überzeugende Charaktere, die ich alle sehr toll fand (selbst – oder sogar vor allem? – den selbstverliebten Simon). Der einzige Charakter, der für meinen Geschmack etwas zu blass blieb, war der der Polizistin Angelique de Xavia. Ihre Person blieb im Vergleich zu den anderen sehr oberflächlich. Simon und Ray haben so viel Tiefe und Geschichte bekommen, da hätte ich mir das für sie auch gewünscht. Leider kam das für mich nicht so rüber.


Weitere Rezensionen

Conny von Pink Anemone


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2 Gedanken zu „Wer andern eine Bombe baut | Christopher Brookmyre

  1. Pink Anemone sagt:

    Hallöchen,
    ich musste bei Deiner Rezi sooooo lachen und tu es immer noch…“saucooler-Bruce-Willis-Mel-Gibson-Roman-mit-Explosionen“ ….*rofl*…aber ja, Du hast recht. Wenn man nicht weiß was einem da erwartet, kann sowas durchaus ins Höschen gehen.
    Na Hauptsache er hat Dir dann doch gefallen und ich hatte beim Lesen Deiner Rezi Lachtränchen in den Augen.
    Werde Dich dann gleich verlinken.

    Liebe Grüße aus Wien
    Conny (immer noch lachend?

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