Ich komme mit

Ich komme mit | Angelika Waldis

Der Himmel ist riesig. Es windet, es rauscht. Man surft, man kitet. Es schreit, es möwt. Man döst, man schäkert. Es flimmert, es schäumt. Der Sand ist weiß.S. 16

Lazy ist jung, Student und verliebt. Und verrückt. Verrückt nach seiner Freundin, verrückt nach dem Leben, dem Abenteuer. Und dann ist Lazy krank und nichts geht mehr. Er flieht, bricht aus, versucht der Krankheit keinen Platz zu geben. Landet letztendlich aber doch wieder zu Hause in der Torstraße, wo die alte Vita neugierig ihre Nase in Lazys Leben steckt. Vorsichtig zwar, aber nicht vorsichtig genug, denn die beiden frühstücken, philosophieren und werden schließlich zu Freunden. Die gemeinsam einen letzten Urlaub machen, bevor sie die letzte große Reise antreten: das Sterben.

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Buch Altes Land von Dörte Hansen

Altes Land | Dörte Hansen

„Macht dich das nicht fertig“, fragte Anne, „dein Name auf dem Grabstein?“
Vera verstand die Frage nicht. „Da werde ich liegen, und das hab ich schriftlich. Gut zu wissen, wo man hingehört.“
Seite 244

Anne muss weg. Weg aus Hamburg Ottensen, wo alles gut zu funktionieren scheint, außer sie selbst. Mit ihrem Sohn flüchtet sie ins Alte Land, wo sie bei ihrer Tante Vera Unterschlupf findet, einst selbst geflüchtete.
Die beiden Damen arrangieren sich. Mit sich selbst, miteinander, den Menschen, mit der Vergangenheit und dem Leben. Vera hilft Anne sich zu fangen und Anne hilft Vera alte Geister zu vertreiben.

Die Figuren kochen oft ihr eigenes Süppchen, machen viel mit sich selbst aus. Um dann festzustellen, andere haben ähnliches erlebt, wissen wie es ist. Manch einer von ihnen ist in der schweren Zeit sogar da und hilft, es auszuhalten.
Neu geerdet werden, sich Wiederfinden trotz der Hoffnungslosigkeit. (Rettungs-)Anker sein, ohne es zu wissen.

Eine Familiengeschichte voller Tragik, so rührend, so liebevoll erzählt, ohne zu bedrücken. Man seufzt, aber man ist nie hoffnungslos.

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Fliegende Hunde Wlada Kolosowa

Fliegende Hunde | Wlada Kolosowa

Der schlimmste Frost war vorüber, dennoch war es kalt und windig. In Russland, dachte Oksana, lebt man nur im Sommer so richtig. Vielleicht benutzt man deswegen im Russischen dasselbe Wort für „Jahr“ wie für „Sommer“. In einem Monat wurde sie siebzehn Sommer alt.

Der Inhalt

Lena und Oksana sind beste Freundinnen. Sie erzählen sich alles, teilen alles, probieren alles aus. Sie sind glücklich zu zweit und brauchen niemanden sonst. Als Lena aber als Model nach Shanghai geht, lässt sie Oksana zurück und setzt ungeahnt eine Entwicklung in Gang. Denn während Lena sich das Modelleben schön redet und angestrengt Dinge tut, die sie meint tun zu müssen, weil man das eben so macht, findet die zurückgelassene Oksana sich selbst, wird ein Stück erwachsen und erkennt, was wahre Freundschaft, wahre Liebe wirklich ist.

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Hinterhofleben Maik Siegel

Hinterhofleben | Maik Siegel

Gab es in Deutschland wirklich nicht genug Platz für Flüchtlinge? Und warum war es Menschen nicht erlaubt, ein Land zu betreten? Deutschland hatte keinen König, dem das Land gehörte und der entscheiden konnte, wer dort leben durfte und wer nicht, so wie er entscheiden konnte, wer zu seiner Geburtstagsfeier kam. Wem gehörte das Land? Konnte einem ein ganzes Land gehören? Er hielt das für unwahrscheinlich – niemand war so reich. S. 47

Der Inhalt

Bei der Mieterversammlung der Nummer 68 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wird entschieden, dem syrischen Kriegsflüchtling Samih zu helfen und ihn aufzunehmen.
Während die einen nur helfen wollen, ist den anderen wichtig, dass sich nichts ändert. Offene Ignoranz trifft auf vermeintliche Hilfsbereitschaft. Aber nichts ist wie es scheint und die Anwesenheit von Samih zeigt erst die wahren Charaktereigenschaften der Bewohner der Nummer 68. Die Situation bringt jeden Einzelnen von ihnen an ihre Grenzen, stellt sie vor Entscheidungen, die offenbaren, was ihnen wirklich wichtig und heilig ist.

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Väterland Christophe Léon

Väterland | Christophe Léon

Seit einem Jahr müssen Personen desselben Geschlechts, die sich in der Öffentlichkeit küssen, mit sechs Monaten Gefängnis und einer Strafe von mehreren Tausend Euro rechnen. Aber die Situation ist eindeutig genug, der Notar begreift sofort, wo er die zwei suspekten Männer einzuordnen hat.
„Ich bin Anwalt und ich habe immer wieder gegen diese Leute prozessiert. Wenn sie anfangen, von Liebe und Freiheit zu faseln, ach was, welch schönes Märchen! Ich antworte mit Recht und Gesetz. Wenn wir ihre Ehen auch noch nicht rechtlich annullieren können, so werden wir uns wenigstens vor ihnen schützen, indem wir sie in gewissen Einrichtungen oder Aufnahmelagern sammeln. Es gibt überhaupt keinen triftigen Grund, das Gesetz nicht anzuwenden. Ihre eigenartigen Verbände, die sie verteidigen, sollen ruhig versuchen, uns einzuschüchtern und Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Wir lassen usn davon nicht beeindrucken. Demokratie bedeutet, das Mehrheitsprinzip anzuwenden und die Vernunft. Unsere Mitbürger wollen nichts mit ihnen zu tun haben, das ist gesunder Menschenverstand. Das Recht ist für alle gleich. Mich persönlich widern sie an. […]“ S. 51

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