Die Stimmen in meinem Kopf

Die Stimmen in meinem Kopf

Die Texteule Nina C. Hasse hat seit dieser Woche auch einen Blog und startete direkt mal mit einem ermutigenden Artikel über die Macht der Worte, vor allem gegen sich selbst, der mich zum Nachdenken gebracht hat.

Als kreativer Mensch schon seit Ewigkeiten von Selbstzweifeln geplagt, weiß ich, dass die kleine Negativ-Stimme gelegentlich so groß und laut wird, dass man zuweilen nicht nur sein aktuelles Projekt in Frage stellt, sondern darüber hinaus sein ganzes Schaffen und Sein.
Ein Rundumschlag in Sachen „Einfach alles ist scheiße“.

Projekt scheiße, das andere Projekt sowieso scheiße, der Tag scheiße, Aussehen scheiße, Charakter scheiße, beim Sport scheiße, Arbeit scheiße, Leben scheiße. Bis man sich selbst zu Boden gerungen und zerstört hat. Immer und immer wieder. Und gruseligerweise wird das zur Normalität.

Wie auch Nina schreibt, merkt man es irgendwann nicht mal mehr. Es beginnt schleichend und auf einmal ist man am Boden zerstört und weiß nicht mal, wie genau das eigentlich passieren konnte. Dafür braucht es nicht zwingend einen Auslöser, es muss nicht unbedingt jemand daher kommen und sagen „Ey, du bist voll doof, alles was du machst ist richtig bescheuert.“ Oft braucht man gar keinen äußeren Impuls, die Negativ-Stimme kriegt das meist ganz gut alleine hin. Tritt einen nieder und lässt einen dann hilflos zurück.

Negative Glaubenssätze

Möglicherweise kennst du mehrere dieser negativen Glaubenssätze:

Ich werde als Schriftsteller nicht erfolgreich sein, weil …

  • ich nicht gut genug bin.
  • andere viel besser sind als ich.
  • niemand an mich glaubt – auch ich selbst nicht.
  • ich faul bin.
  • ich Geschichten schreibe, die niemand lesen will.
  • sowieso niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben.
  • ich aus Angst vor Kritik lieber erst gar nichts veröffentliche.
  • ich keine guten Ideen habe.
  • ich nicht kreativ genug bin.
  • mein Schreibstil eine Katastrophe ist.
  • meine Familie/meine Freunde meinen, ich verschwende meine Zeit.
  • ich es nicht verdiene, erfolgreich zu sein.
  • die Welt ungerecht ist.

Quelle: Die Macht der Worte – Nina C. Hasse

Allein in Ninas Auflistung finde ich mich mehr als 1, 2, 3, … Mal wieder.
Jahrelang antrainiert kriecht die kleine Negativ-Stimme in unregelmäßigen Abständen aus ihrem Loch und beginnt damit, mir diese Glaubenssätze vorzubeten. Frisst sich voll an meinen Selbstzweifeln und labt sich an meinen Tränen. Und der kleine W*chser beschränkt sich dabei sicherlich nicht auf mein Schriftsteller-Ich. Nein, nein, wenn schon, denn schon!

Dies ist auch der Grund, warum so viele junge Autoren ihre schriftstellerische Tätigkeit am liebsten gleich verschweigen. Sie haben Angst vor Ablehnung, davor, unangenehme Fragen beantworten oder das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen.

Quelle: Die Macht der Worte – Nina C. Hasse

Vor allem diese zwei Sätze haben mich zum Nachdenken gebracht. Denn natürlich ist mir die Problematik mit meinen Selbstzweifeln bekannt und etwas an dem ich beständig arbeite, damit sie nicht irgendwann gewinnen. Meine Negativ-Stimme beackert mich aber so sehr, dass ich Angst habe, zu der Stimme in meinem Kopf auch noch reale Stimmen zu hören, die mir sagen, dass ich nicht gut genug bin, dass andere besser sind, dass man nicht an mich glaubt, dass ich keine guten Ideen habe, …
Denn der Kampf gegen die eigene Stimme ist hart genug, wie soll man sich mit diesen Selbstzweifeln dem Kampf gegen reale Stimmen, reale Menschen mit Meinungen stellen?

Zudem die Unsicherheit:
Darf ich es wagen zu sagen ich schreibe gut und ich habe wunderbare Ideen, wenn es mir nie bestätigt wurde? Und spätestens hier schaltet sich die Negativ-Stimme ohnehin wieder ein.
Denn, wie kann ich es wagen, zu sagen, ich schreibe gut, wenn mir das noch nie jemand bestätigt hat – am besten Schwarz auf Weiß mit Urkunde und Siegel. Und selbst dann wäre die Stimme noch nicht richtig überzeugt. Vielleicht ist die Urkunde ja gefälscht. Vielleicht wurde derjenige, der es mir bestätigt, bestochen. Teufelskreis.

Positiv-Stimmen

Gegen die Negativ-Stimme kann ich nur bedingt etwas tun – machen wir uns nichts vor, umbringen lässt sie sich nicht. Umso wichtiger ist es doch, dass in diesen Momenten, wenn die Negativ-Stimme ganz besonders laut und gemein ist, genug reale Stimmen da sind, die ihr einheizen; die helfen, wenn die eigene Positiv-Stimme nicht kräftig genug ist.
Ergo können Selbstzweifel nur mit Mut bekämpft werden. Denn den muss ich aufbringen, um von mir und meinen Projekten und allem was mir am Herzen liegt zu erzählen, damit meine Mitmenschen wissen, was ich tue und was mich gegenüber meiner Negativ-Stimme angreifbar macht.

Denn wenn ich alleine in meinem Kämmerlein schreibe/male/musiziere/denke/lebe, ohne das überhaupt jemand etwas davon mitbekommt, kann ich wohl kaum erwarten, dass jemand sagt: Gut gemacht! Tolle Sache! Wunderbare Idee! Voll kreativ! Wirklich schön! Und manchmal auch: Du bist toll!

Und vermutlich wird sich der Mut auch lohnen. Denn: Die realen Stimmen heizen nicht nur der eigenen Negativ-Stimme ein, sondern auch den realen Negativ-Stimmen.

2 Gedanken zu „Die Stimmen in meinem Kopf

    • MlleFacettenreich sagt:

      Das Laster der Kreativen. Schön, wenn er ein wenig hilft.

      Und um deine Positiv-Stimme mal zu unterstützen: Du machst wirklich tolle Sachen. Deine Zeichnungen sind immer wieder der Knaller und deine Texte alle sehr inspirierend und motivierend. Es ist mehr als bewundernswert, dass dir so vieles am Herzen liegt und du dein Wissen und deine Erfahrungen mit uns teilst und weitergibst. <3

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