IndieAuthorDay 2018

Selfpublishing taugt nichts | Indieauthorday

Schreckliches Cover, voller Fehler, taugt nichts, bloß nicht noch mal Geld für sowas ausgeben. Der übliche Nachteil, den es mit sich bringt, wenn jedermann etwas veröffentlichen kann: die Perlen werden vom Schmu überlagert. Leider.

Ein hartes (Vor)urteil gegen das Selfpublisher ankämpfen müssen. Ein harter Kampf. Denn immer wieder wird es bestätigt. Immer wieder erwische ich Bücher, die mich frustrieren. Mich enttäuschen und ihr Geld nicht wert sind – so hart es klingt. Und das ist eben die Krux.

Jeder soll schreiben, seine Geschichten weiterreichen. Unbedingt, denn all diese Geschichten müssen erzählt werden. Aber ich als Leser habe Erwartungen. Nicht nur an die Geschichte, sondern auch an ihre Umsetzung.
Ich schreibe selbst und habe eine Vorstellung davon, wie lange man an einem Roman arbeitet. Da steckt alles drin: Schweiß, Herzblut, Tränen, Nerven, Liebe. Aber die Arbeit ist mit dem Wörtchen Ende unter dem Manuskript leider nicht getan.

Don’t judge a book by its cover

Leichter gesagt als getan. Ich bin Gestalterin, das heißt ich schaue ohnehin mit professionellerem Blick auf ein Buchcover. Und ich kann durchaus unterscheiden, ob mir etwas bloß nicht gefällt, aber trotzdem gut gemacht ist, oder ob sich der Autor oder die Autorin um das Cover einfach nicht mehr so sehr bemüht hat. Und selbst ohne gestalterische Ausbildung kann man das erkennen, wenn auch unterbewusst.
Dann halte ich das Buch in der Hand, mit einem Cover ohne Qualitäten und muss mich daran erinnern, dass trotzdem eine gute Geschichte darin stecken kann. Aber frage mich auch gleichzeitig: kann da wirklich eine gute Geschichte drin stecken, wenn sich für den ersten Eindruck (und den vermittelt das Cover nunmal) schon gar keine Mühe oder Gedanken mehr gemacht wurden?

Goethe war Rechtschreibung gleichgültig

In Restaurants studiere ich die Speisekarten. Ich kann nicht anders, als im Geiste erstmal Rechtschreib- und Satzfehler zu korrigieren. Es ist mir ein Graus. Und das in Restaurants, die rein gar nichts mit Literatur am Hut haben! So bekommt man aber vielleicht eine Vorstellung davon, wie sehr mir Fehler sauer aufstoßen.

Fehler passieren. Und das dürfen sie auch. Selbst in Verlagsbüchern stecken manchmal Rechtschreibfehler. Nicht tragisch. Erstmal.
Und wenn in einem 300-Seiten Buch 5 Fehler auftauchen, kann ich das aushalten. Wenn ich aber auf jeder zweiten Seite einen Fehler finde, nimmt mir das den Spaß am Lesen. Sehr. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie das passieren kann – vor allem, wenn es sich um Fehler handelt, die jedes Schreibprogramm mit der Rechtschreibprüfung sofort markieren würde. Ich bin perfektionistisch veranlagt und suche ohnehin mehr nach Fehlern, als andere es tun (was lange nicht bedeutet, dass alles von mir fehlerfrei ist, das will ich auch gar nicht behaupten). Aber ein Buch, voller Fehler, die hätten vermieden werden können, wenn man noch mal ein bisschen mehr Mühe aufgebracht hätte, vermittelt mir, dass es dem Autor oder der Autorin einfach egal war. Kein schönes Gefühl und großer Lesefrust.

Vom Hater zum Fan

Lange Zeit habe ich dann die Finger von Selfpublishern gelassen. Es war zu frustrierend. Ich hatte das Gefühl, als Leser nicht ernstgenommen zu werden.
Dann kam Martin Krist. Thrillerautor aus Berlin, der auf seinem Instagram-Account letztes Jahr Werbung für sein damals neuestes Buch Böses Kind machte.

Ich wurde neugierig, schlich vorsichtig um diesen Selfpublisher, der das alles sehr professionell und souverän präsentierte. Immerhin hatte er auch ein paar Verlagstitel. Zudem wurde das Buch auch bei vorablesen verlost. Dann konnte es so schlimm nicht sein, oder?

Ich ließ mir das Buch zu Weihnachten schenken, las seit langem mal wieder ein Selfpublisher-Buch. Und es überzeugte. Solides Cover (kein Coverkauf meinerseits, aber es war gut gestaltet – die Neuauflage entspricht wesentlich mehr meinem Geschmack), kaum Fehler und ein Plot, der mich überzeugte und in dem mir keine groben Plotfehler aufgefallen sind. Glückstreffer? Wohl nicht. Seitdem habe ich drei weitere Bücher von Martin Krist gelesen, das vierte liegt schon auf dem SuB. Alle haben mich gleichermaßen überzeugt.

Es geht also doch

Ein Buch als Selfpublisher rausbringen, ohne die Vorurteile zu bestätigen.
Jetzt kann man natürlich sagen, dass Martin Krist eben auch die Erfahrung hat.
Richtig, und er weiß, wie wichtig auch Cover und Rechtschreibung sind. Fehlende Erfahrung sollte doch keine Entschuldigung sein, für geringere Professionalität. Vor allem nicht auf dem ohnehin schwer umkämpften Buchmarkt.

So oder so, er ebnete den Weg und Selfpublisher wurden von mir nicht mehr ignoriert. Ich sah mich um, verließ mich auf die Empfehlungen anderer Buchbloggerinnen. Gab Selfpublishing noch mal eine Chance und fand tatsächlich weitere, die mir gefielen und das Vorurteil widerlegten. Per Sanders Keine Leiche, kein Problem, eine unterhaltsame und leicht skurrile „Krimikomödie“ oder Magret Kindermanns Und dein Leben, dein Leben, welches mich ebenfalls begeisterte; aktuell Der Angstfresser von Tanja Hanika. Die Leseliste wächst stetig und regelmäßig landen Titel von Selfpublishern darauf: Benjamin Spang, Kia Kahawa, Katrin Ils, weitere Titel von Tanja Hanika und Magret Kindermann, …

Es lohnt wirklich, sich außerhalb der Verlagswelt umzuschauen, auch wenn die Perlen manchmal etwas versteckt sind. Daher postet eure Perlen, erzählt von ihnen. Helft den Selfpublishern, die euch begeistern und überzeugen, aufzufallen. Nutzt den Hashtag #SPbuch für die Selfpublisher-Titel, die ihr für lesens- und empfehlenswert haltet.


Beitrag für den #IndieAuthorDayDE, aufgerufen durch Kerstin und Janna von KeJas Blogbuch.

Das Beitragsbild wurde gestaltet von Juliana.


Weitere Artikel

Janna und Kerstin von KeJas Blogbuch

Monerl von Monerls bunte Welt

Conny von Pink Anemone

26
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
11 Kommentar Themen
15 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
10 Kommentatoren
MlleFacettenreichDagmar CarraJacquyChiawenPink Anemone Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Dagmar Carra
Gast

Ich finde, im SP-Bereich hat sich unheimlich viel getan. Toll gestaltete Cover, sehr gut lektorierte Bücher, wenn ich da an die Anfangszeit denke, muss ich die Hände überm Kopf zusammen schlagen.

Klar gibt es heute auch noch SP, die das Cover selbst zusammen bauen und kein Lektorat in Anspruch nehmen, aber das merkt man ja schon auf den ersten Seiten und das bewerte ich dann auch bei Amazon, damit andere vorgewarnt sind und kein Geld zum Fenster rauswerfen.

LG
Daggi

Chiawen
Gast

Huhu, du sprichst mir da voll aus der Seele. Das Cover ist der erste Kontakt von der Geschichte mit dem Leser. Wenn das Cover mich nicht anspricht, lese ich oft das Buch nicht. Das ist egal ob Verlag oder selbstverlegt. Doch oft ist es leider so das die ‚Qualität an Cover, Lektorar etc. eben nicht so hoch ist von selbstverlegten Büchern (auf die Masse gesehen). Ich arbeite selbst mit genug Indieautoren zusammmen, liebe ihre Cover und ihre Geschichten. Doch greift man auch oft genug ins Klo. Oder verpasst etwas weil man durch das Cover und den Klappentext abgeschreckt wird, oder… Weiterlesen »

Jacquy
Gast

Schöner Beitrag. Ich muss zugeben, dass ich da auch noch mit Vorurteilen zu kämpfen habe, weil ich da schon das eine oder andere Negativbeispiel gesehen habe. Aber normalerweise merkt man sowas schon anhand der Leseprobe und kann dadurch direkt aussortieren, ohne viel Zeit und Geld „verschwendet“ zu haben. Ich verlasse mich aktuell aber auch noch lieber auf Empfehlungen und habe so mit „Blut gegen Blut“ vor kurzem ein fantastisches SP-Buch entdeckt. Das ist auch einer der Fälle, in denen es stark hilft, wenn der Autor in Social Media präsent und sympathisch ist.

Pink Anemone
Gast

Hallöchen, toller Beitrag, der so viel von meinen Gedanken bezüglich SPlern widerspiegelt. Auch ich war eine Zeit lang ein gebranntes Kind und hatte den SPlern abgeschworen…bis ich zu bloggen anfing. Was soll ich sagen? Ich bin immer noch skeptisch und lese nicht alles von jedem SPler, die derzeit aus allen Löchern gekrochen kommen. Von denen die auf Twitter & Co rumjammern würde ich z.B. prinzipiell nix kaufen. Da bin ich hart und unnachgiebig. Wenn ein Autor schon nicht von sich überzeugt ist, wie soll es dann der Leser sein? Aber ich habe auch meine Lieblinge unter den SPlern entdeckt und… Weiterlesen »

Peter Hakenjos
Gast
Peter Hakenjos

Wer einen Anspruch erhebt, der sollte versuchen, diesem auch gerecht werden. Inhaltlich stimme ich dem Artikel voll und ganz zu! Aber wer sich über mangelhafte Rechtschreibung mokiert, der sollte in diesem Text auch auf Rechtschreibung achten. „Ich lies mir das Buch zu Weihnachten schenken,“, ist ja wohl eine kühne Art der phonetischen Schreibung, und ob „Jedermann“ in diesem Kontext groß geschrieben wird, ist ebenfalls fraglich.

monerl
Gast

Hey, das ist ein ganz toller Beitrag geworden, den ich so ähnlich unterschreiben kann. Wie oft hab ich mich über Schreibfehler grün und blau geärgert und dachte zu Beginn auch, ein Buch ohne richtigen Verlag kann nichts werden. Und nach und nach traute ich mich doch und habe mittlerweile auch ein paar Perlen gefunden, mit denen ich richtigen Lesespaß hatte! Martin Krist kannte ich tatsächlich schon vorher als Verlagsautoren. Mein erstes Buch von ihm war damals „Die Mädchenwiese“ und ich fand es genial. Seitdem subben noch einige von ihm. Dass er den Schritt zum SP gewagt hat, fand ich interessant… Weiterlesen »

trackback

[…] so, wie es sich für einen echten Büchernerd gehört! KeJas BlogbuchWörterkatzeBuchbahnhofMademoiselle FacettenreichJuliana FabulaWeltenwandererPink […]

trackback

[…] zu unterstützen! Mit dabei unter anderem: Juliana Fabula und Laberladen mit Leseempfehlungen, Mademoiselle Facettenreich über gängige Vorurteile. Außerdem gibt es spannende Rezensionen bei Buchbahnhof, Weltenwanderer […]

Janna | KeJas-BlogBuch
Gast

Liebsten Dank für deine ehrlichen Worte, deinen tollen Beitrag & die Verlinkung :-* „Vom Hater zum Fan“ – ich feier den Satz! Und ich freu mich so sehr, dass du dich wieder an diesen Bereich gewagt und positiv überrascht worden bist! Martin Krist ist vielen ja vor allem ein name, da er vorher Jahrenlang als Verlagsautor geschrieben hat und sich dann ganz bewusst umentschieden hat. Und auch SP-Autor*innen entscheiden sich bewusst gegen einen Verlag – es ist traurig das viele Leser*innen meinen, diese Autor*innen seien nicht gut genug … PFT. Man siehe nur Nika Sachs und Magret Kindermann, geht weit… Weiterlesen »

Kerstin von KeJas-BlogBuch
Gast

So ein toller und ehrlicher Beitrag, danke dir dafür. Es ist für mich auch nachvollziehbar wenn Leser*innen sagen ‚SP lese ich nicht‘, genau aus den Gründen die Du genannt hast. Aber genauso gibt es diese Perlen und Autor*Innen die eben doch genial schreiben und auch mal etwas ganz anderes machen als der Mainstream. Denn auch dort ist Schrott vertreten, gesichtslose Massenware, oftmals unmöglich gehypt und somit zum Bestseller emporgehoben. Marketingstrategie halt. Ich lese weiterhin SPler, achte aber auf Qualität. Bei den Covern könnte ich mir oft die Haare raufen weil ich denke, wie kreativlos kann man sein. Es muss halt… Weiterlesen »

Gabi
Gast

Deine Entwicklung vom Kritiker zum Fan habe ich im Grunde ganz genauso auch durchgemacht. Auch heute noch bekomme ich Selfpublisher-Bücher zu Gesicht, bei denen der Klappentext (und manchmal sogar der Titel) schon vor Fehlern wimmelt. Das verdirbt mir so den Lesespaß, dass ich mich für den Inhalt gar nicht mehr interessiere. Aber ich habe auch ein paar echte Perlen unter den Selfpublishern entdeckt, die die Wichtigkeit von Lektorat / Korrektorat und einem Blickfang-Cover erkannt haben und auf professioneller Ebene arbeiten. Und die mmit so viel Talent Geschichten erzählen, dass einfach alles stimmt und die mich überzeugen können. Klar muss man… Weiterlesen »