Scharnow

Scharnow | Bela B Felsenheimer

Das Buch beginnt mit einem sechsseitigen Personenverzeichnis: unter anderem eine fluchende Rentnerin und ihre Nichte, Supermarktangestellte, der Bund skeptischer Bürger, der Pakt der Glücklichen, ein Literaturblogger, Weltenlenker, Hunde, ein fliegender Mann und Rex Gildo.
Alle leben sie in Scharnow, einem Ort der öder nicht sein könnte.

Doch die Weltenlenker sind überall. Und sie müssen eliminiert werden. Von drei Attentätern, die ihre Anweisungen über einen Chat im Scharnower Internetcafé erhalten.
Der Zeitpunkt ist günstig, denn die Polizei ist abgelenkt von einem fliegenden Mann, der im Nachbarort alles in Trümmern schlägt.
Die Scharnower selbst bekommen vom geplanten Anschlag nichts mit, denn der Großteil von ihnen hängt im Billkauf-Supermarkt fest, während dieser überfallen wird. Von vier betrunkenen Nackten.
Dabei verlieben sich das Manga-Mädchen Nami und der Mitarbeiter Hamid.
Dann ist da noch der Literaturblogger – oder auch nicht mehr. Und der Poliszist, der doch einfach nur sein Gyros essen will, nun aber in einem Flur mit zwei Toten steht.

Scharnow, der reinste Wahnsinn.

Ein Buch, das mir großen Spaß gemacht hat.
Es ist verrückt, vollkommen durchgeknallt sogar, und lustig. Und trotzdem nicht albern, sondern richtig clever. Diese Cleverness entfaltet sich am Ende, als klar wird, wer wie und warum mit wem verbunden ist und dass all der Wahnsinn, vielleicht doch nicht ganz so wahnsinnig ist.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl mitten in einem Tarantino-Film zu stecken. Und damit beziehe ich mich auf die Groteskheit der Geschichte, die letztendlich trotzdem absolut sinnvoll und klug ist und auf manche etwas überzeichnete Brutalität und will damit keinesfalls sagen, dass Bela B hier jemanden versucht zu imitieren oder einfallslos etwas nachmacht (auch wenn man an der ein oder anderen Stelle, sein bevorzugtes Filmgenre erlesen kann). Ganz im Gegenteil. Er schafft eine komplexe Welt, mit verschrobenen Figuren, die sich alle irgendwann irgendwie begegnen und beeinflussen. Großes Kino – nein, falsch, großes Buch.

Mir hat es sehr gefallen, und nicht nur, weil es von Bela B ist, Drummer einer Band, die ich sehr schätze. Die Geschichte überzeugt, ich war positiv überrascht von der Komplexität. Angetan von dem Humor, den ich so schätze und der Tiefe der meisten Figuren. Und begeistert davon, wie wunderbar anders dieses Buch war.


Hier geht es zu meinem Artikel zur Lesung von Bela B.

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