Royal Blue

Royal Blue | Casey McQuiston

Manch eine:r mag überrascht sein, über diese Buchauswahl, die ich getroffen habe. Eine RomCom? Wirklich? Sie hat eine Liebesgeschichte gelesen?
Ja, habe ich. Und sie hat mir sogar sehr gefallen.

Worum geht’s?

Alex Claremont-Diaz, der Sohn der ersten Präsidentin der USA, gerät auf der königlichen Hochzeit des Prinzen von England mit dessen kleinen Bruder Henry aneinander und gemeinsam landen sie in der immens teuren Hochzeitstorte. Das Foto der zerstörten Hochzeitstorte mit den beiden Streithähnen geht um die Welt und die PR-Teams beider Häuser betreiben Schadensbegrenzung, indem sie die beiden jungen Männer zwingen, der Presse und der Welt vorzugaukeln, dass sie in Wirklichkeit gute Freunde sind. Was sie natürlich nicht sind. Und so nimmt das ganze seinen Lauf.

Geständnisse einer Buchbloggerin, die selten Liebesromane liest

Ich mag es sehr gerne dabei zu sein, wenn Freundschaften entstehen und wie sie sich entwickeln. Und ich bin der festen Überzeugung, keine gute Liebesgeschichte, ohne dass vorher eine gute Freundschaft bestand. Noch lieber mag ich Liebesgeschichten und Freundschaftsgeschichten, wenn sich die Figuren anfangs so gar nicht leiden können. Ich gestehe: das ist meine allerliebste Ausgangssituation für solche Geschichten.
Ich finde es großartig, wenn aus anfänglichen Vorurteilen oder Sonstigem die Figuren annehmen, der oder die andere kann nur ein Reinfall sein. Ich mag es, wenn erst im Laufe der Geschichte deutlich wird, wie viele Gemeinsamkeiten sie letztlich doch haben und dies auch letztlich merken und die Größe haben sich das einzugestehen und aufeinander zuzugehen.

Zurück zur Geschichte: Wir verfolgen nicht nur zwei junge Männer, die sich anfreunden und verlieben, sondern all die politischen Problematiken die diese Beziehung mit sich bringt.
Ein schwuler Thronfolger? Nicht vorstellbar!
Eine Beziehung zu einem Prinzen als Präsidentinnensohn mitten im Wahlkampf zur Wiederwahl?
Nicht gerade ideal.
So sind die beiden also nicht nur sehr damit beschäftigt sich über ihre Gefühle klar zu werden, sondern auch damit, das alles geheim zu halten.

Es wäre natürlich keine RomCom, wenn das so einfach wäre. Dementsprechend wird die Beziehung vor verschiedenste Probleme gestellt, die amüsant, oft herzzerreißend sind, weil man den beiden einfach nur wünscht, dass sie endlich zusammen sein können.

Zuckersüß, hinterlässt aber garantiert keine lästigen Pfunde

Ich mache keinen Hehl daraus: diese Geschichte trieft vor zuckersüßer Romantik. An der einen oder anderen Stelle, würde ich es sogar Kitsch nennen. (Glühwürmchen, die sich in sein Haar setzen? Also bitte!)
Darauf muss man gefasst sein – eigentlich logisch, wenn man sich eine RomCom aussucht.
Doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt, mein persönlicher Geschmack eben. Meistens ist mir sowas einfach zu viel des Guten, weswegen ich solche Bücher selten lese. Aber so ab und an, brauche selbst ich mal eine marshmallow-pinke Liebesgeschichte, von der man Karies bekommt und bei der man glauben möchte: Ja, so könnte es doch sein.

Und das ist meiner Meinung nach eben das wunderbare an diesem Buch. Es lässt einem mit diesem wunderbar wohligen Gefühl zurück. Dieses Gefühl, das man auch hat, wenn man Schokolade oder Zuckerwatte oder Kuchen gegessen hat. Ein Glücksgefühl, mit dieser inneren Wärme und dem Gedanken, wie toll es wäre, in einer solchen Welt zu leben, wie sie im Buch angedeutet wird. Es ist absolut positiv und pro Liebe, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit.
Es vermittelt die Botschaft: Liebe kann alles schaffen, Liebe kann die Welt verändern. Und so lange wir daran glauben und lieben (platonisch als auch romantisch), können wir diese Welt nur als einen besseren Ort verlassen, als wir sie vorgefunden haben.

Darum sage ich: Gönnt euch den Zucker; gönnt euch diese Geschichte, die so wunderbar supportend, divers, klug, romantisch, hoffnungsvoll und lustig ist. Claremont for America!

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