Roman oder Kurzgeschichte

Roman oder Kurzgeschichte? | Gastbeitrag von Tanja Hanika

Wer mich etwas besser kennt oder sich hier auf dem Blog mal genauer umgesehen hat, der weiß, dass ich nicht nur gerne lese, sondern auch schreibe. Umso toller, dass ich in Tanja Hanika nicht nur eine gute Freundin, sondern eine Autoren-Freundin gefunden habe, mit der ich über Ideen, Stile, Plottwists und alles reden kann, bei dem nicht-schreibende-Menschen schnell die Lust verlieren. Kürzlich tauchte in einem dieser Gespräche eine Problematik auf, vor der ich persönlich regelmäßig stehe und die besonders so kurz vorm NaNoWriMo auch einige andere kennen:

Wann eignet sich eine Idee für einen Roman,
wann für eine Kurzgeschichte?

Von Tanja Hanika

Manchmal überfallen einen Ideen und man kann sich nicht gegen sie wehren. Man lässt alles andere stehen und liegen, pausiert das aktuelle Schreibprojekt und macht sich an die Planung oder schreibt direkt los.
Aber schnell stellt sich dem Schreiberling die Frage: Eignet sich die Idee zu einem ganzen Roman oder benutze ich sie doch besser für eine Kurzgeschichte? Was gibt die Idee her?
Ganz generell vorneweg: Natürlich lässt sich aus so ziemlich jeder Idee mit genug Arbeit und zusätzlichen Ideen ein Romanprojekt herausarbeiten. Wann es aber womöglich besser ist, es bei einer Kurzgeschichte zu belassen, zeigen dir folgende Punkte.

Wie sehr brennst du für die Thematik?

Falls du deine Idee toll, aber die Thematik nur „okay“ findest, dann wäre es wohl ratsam, es bei einer Kurzgeschichte zu belassen. Für einen Roman musst du in allen Hinsichten richtig brennen, sonst wird dir die Geschichte, die du erzählen willst, irgendwann selbst lästig. Aber eine Kurzgeschichte ist relativ schnell geschrieben und der Spaß bleibt so leichter erhalten.
Mit Kurzgeschichten hat man die Möglichkeit, sich in viele verschiedene Thematiken einzuarbeiten und neue Gebiete und Bereiche zu testen.
Falls du erst später Feuer fängst, kannst du dich immer noch an die Ausarbeitung des Plots und der Figuren für einen Roman machen.

Sideplots bzw. Nebenhandlung

Die Geschichte, die du erzählen willst, enthält lediglich einen Haupterzählstrang?
Deine Handlung verläuft dabei geradlinig, chronologisch und setzt direkt beim wichtigsten Ereignis ein?
Glückwunsch, du schreibst eine Kurzgeschichte!
Denn genau das macht eine Kurgeschichte aus.
Greifst du allerdings auf ein Netz von Sideplots bzw. Nebenhandlungen zurück, entwickelst mehrere Perspektiven und hast das Bedürfnis, in Ruhe und ausführlich zu erzählen und auch zu beschreiben, dann entwickelst du wohl gerade einen Roman.
Hier kann ein Handlungsnetz gesponnen werden, wie es in einer Kurzgeschichte nicht möglich ist. Du hast eine längere Vorlaufzeit und kannst erst die Ausgangssituation deutlich machen, bevor das Ereignis geschieht, das die Geschichte ins Rollen bringt. Hier gibt es nicht nur einen zentralen Konflikt, sondern du kannst den Leser mit mehreren (miteinander verflochtenen) Konflikten beschäftigen.

Figurenzahl

Schau dir deine Idee an und überlege dir, ob du nur einen Protagonisten und sehr wenige Nebenfiguren benötigst. Falls das „Team“ aus Protagonist und Antagonist (samt weniger Nebenfiguren) alles leisten kann, damit die Handlung stattfindet und deine Prämisse deutlich wird, dann wird dein Text eher eine Kurzgeschichte.
Benötigst du aber ein Ensemble von Figuren, eventuell sogar zwei oder drei Protagonisten und viele Nebenfiguren, die stärker ausgearbeitet und charakterisiert werden, dann entwickelt sich dein Projekt wohl zum Roman.
Wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Schauplätze

Wie viele Schauplätze sind nötig, um die Geschichte zu erzählen?
Wie schon Aristoteles für das antike Drama die Einheit von Handlung, Zeit und Ort festgelegt hat, gilt auch für die Kurzgeschichte, dass ein häufiger Ortswechsel unüblich ist. Darüber hinaus bleibt zu erwähnen, dass die Kurzgeschichte oftmals gar nicht exakt verortet ist, wohingegen der Leser von Romanen meist genau erfährt, wo die Geschichte spielt. Beschreibungen der Handlungsorte bis hin zu Räumlichkeiten und Umgebungen finden viel ausführlicher statt.

Zeit

Es mag bereits angeklungen sein, aber eine Idee, bei der die „erzählte Zeit“ (Dauer der Handlung) einen sehr knappen Zeitraum umfasst, wird eher in Richtung Kurzgeschichte tendieren. Natürlich gibt es genügend Romane, die das Gegenteil umsetzen. Wenn du direkt in die Handlung einsteigen kannst und willst und auf eine hinführende Einleitung verzichtest, spricht das für eine Kurzgeschichte. Auch die „Erzählzeit“ (Zeit, die man zum Lesen benötigt), ist übrigens recht knapp bemessen. Bei Romanen ist bezüglich der Zeit alles möglich: Manche spielen an einem Tag, andere über Jahrzehnte hinweg.

Zeitpunkt in deinem Leben

Ein letzter Aspekt, der nicht unbeachtet bleiben soll, ist, wie es bei dir im Leben aussieht.
Wenn du schnell und zeitnah ein Ergebnis vorweisen willst, vielleicht verschiedene Erzählweisen und -stile ausprobieren möchtest oder dich mit verschiedenen Stoffen und Thematiken beschäftigen möchtest, dann läge es näher, eine Kurzgeschichte zu schreiben.
Oder hast du die Zeit, einen Roman zu schreiben oder kannst und willst du sie dir nehmen? Kannst du es durchhalten und aushalten, dich langfristig mit dem Projekt zu beschäftigen? Hat ein Romanprojekt in deinem Leben Platz, dann kannst du dennoch davon ausgehen, dass das Monate, wenn nicht Jahre dauert, bis die Geschichte wirklich beendet ist.

Ich hoffe, dass dir künftig die Entscheidung, ob du eine Idee für einen Roman oder eine Kurzgeschichte benutzt, leichter fällt. Eins kann ich dir aber versichern: Je öfter du diese Entscheidung zu treffen hast, desto eher bekommst du ein Gespür dafür und es wird einfacher. Irgendwann kannst du deine Idee ganz automatisch auf ihre Tauglichkeit zu Roman- oder Kurzgeschichtenprojekt abklopfen.

Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Umsetzen deiner Ideen.


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Autorin Tanja Hanika Tanja Hanika ist Autorin von Horror- und Schauerromanen und Verfasserin vom »Arbeitsbuch für Schriftsteller«. Geboren wurde sie 1988 in Speyer, studierte in Trier Germanistik und zog anschließend in die schaurig-schöne Eifel, wo sie mit Mann, Sohn und Katze lebt. Seit sie mit acht Jahren eine »Dracula«-Ausgabe für Kinder in die Hände bekam, schreibt und liebt sie Gruselgeschichten. (Foto: D. Pfingstmann)

Infos über Tanja und ihre Romane findet ihr auf ihrer Website. Wer nichts verpassen möchte, kann sich dort auch für ihren Newsletter anmelden.

Außerdem ist Tanja auch bei Twitter, Instagram und Facebook zu finden. Im Oktober mit einigen Aktionen, es lohnt sich ihre Hashtags #helloHalloween, #Frankiedays und #NaNoKurzgeschichtenFieber im Auge zu behalten.

Weitere Artikel der Reihe:

Kurzgeschichte vs. Novelle, erschienen bei Nora Theresa Saller

Schreibtipps ohne Ende. Und dann?!, erschienen auf Tenja Tales‘ Weltenschmie.de

16 Gedanken zu „Roman oder Kurzgeschichte? | Gastbeitrag von Tanja Hanika

  1. Tanja Hanika sagt:

    Menno. ^^ xD xD <3
    *öffnet Kekse knabbernd das Manuskript*
    Aber erstmal wird der Werwolf fertig. (VÖ 23.11.) :D
    Für die Hexen ist Sommer 2019 geplant. Mit eurer Motivation könnte ich das sogar schaffen. <3 :D

  2. Tenja Tales sagt:

    Ein wirklich schöner Artikel mit vielen tollen Tipps! Bei mir ist kürzlich aus einer Kurzgeschichten-Idee auch ein ganzes Roman-Projekt geworden. Ich hoffe, die nächsten Ideen bleiben im Rahmen einer Kurzgeschichte, denn wie du schon schreibst, man muss auch die Zeit dafür haben.
    Liebe Grüße
    Tenja Tales von weltenschmie.de

    • MlleFacettenreich sagt:

      Ich finde es aber auch immer schön, wen sich aus etwas vermeintlich kleinem doch etwas ganz großes entwickelt. Aber die liebe Zeit, das ist schon manchmal ein Problem. Aber wo Wille ist, da sind auch Wege. :-)

  3. Janna | KeJas-BlogBuch sagt:

    Hachz ihr Zwei <3

    Fein von Tanja einen Gast-Artikel hier zu finden. Auch wenn ich selbst nicht schreiben, war es mal interessant ein paar Dinge dazu zu erfahren!

    Aber sie soll nicht so viel hier rumwuseln SONDERN DIE HEXEN SCHREIBEN! :D

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