Nachtfrost von Jessica Bradley

Nachtfrost | Jessica Bradley

Die Wohnung ist dreckig, das Geld knapp und blaue Flecken keine Seltenheit, also beschließt die dreizehnjährige Laura abzuhauen. Weg von ihrem alkoholkranken Vater, der sie schlägt und dafür sorgt, dass sie sich klein und ungeliebt fühlt. Weg aus dem Leben, das ihr nichts bietet. Sie flieht und schlägt sich durch den eisigen Winter in Berlin. Doch wem kann sie jetzt vertrauen, wo sie niemals jemandem vertrauen konnte? Dem Punker Rufus, der Gruppe Obdachloser um Kalle, der Polizei?

Gedanklich betrat sie einen Raum, der sich ganz tief in ihrem Inneren befand. Einen Raum, in dem er keinen Zutritt hatte. Wo selbst seine Fäuste sie nicht erreichten. Wo die Einsamkeit ihre beste Freundin geworden war; die sie niemals verlassen würde. Hier fühlte sie sich sicher. Seite 10

Man ist direkt drin in der Geschichte. Mit wenigen Sätzen schafft Jessica Bradley es, den Lesenden in die Welt von Laura zu ziehen. Das Gefühl des Unbehagens im Magen, die nervöse Angst im Nacken. Der Beginn des Buches ist packend und so tief, dass man komplett umschlungen wird davon. Leider wird diese Tiefe gelegentlich aufgebrochen, von kurzen Passagen, die zu schnell erzählt werden. Die meiner Meinung nach mehr gekonnt hätten und gebraucht hätten, um den Leser in der Tiefe gefangen zu halten. Darüber kann ich aber hinwegsehen, denn diese tragische Geschichte eines Mädchens, das nur geliebt werden möchte, hat mich trotzdem berührt und traurig gestimmt.

»Man hat mir mal gesagt, jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, fällt eine Sternschnuppe vom Himmel. Ich habe damals die ganze Nacht lang in den Himmel gestarrt …« Kalles Blick glitt ins Nirgendwo. »War da eine? Ich meine, sind in der Nacht Sternschnuppen gefallen?«, wollte Laura wissen. »Ich weiß es nicht. Der Himmel war bewölkt und es regnete.« Seite 75

Eine tragische, dramatische, echte Geschichte. Voller Gefühle. Wut, Angst, Liebe, Trauer. Wunderbar zusammengeflochten, so wie es nur das Leben schafft. Und mit einem bittersüßen Ende.

„Nachtfrost“ ist ein lesenswertes Drama über die Verletzlichkeit einer Seele und die Bedeutung davon, sich ungeliebt zu fühlen, das die Vorfreude schürt auf alles was noch von Jessica Bradley kommen wird.


Interview und Leseprobe

Für eine Leseprobe und ein Interview mit der Autorin Jessica Bradley, solltet ihr unbedingt beim tollen „Projekt Arbeitstitel“ von Babsi von BlueSiren vorbeischauen.

Die Vorlage für das Beitragsbild stammt von COVERVAULT.

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2 Kommentatoren
MlleFacettenreichJanna | KeJas-BlogBuch Letzte Kommentartoren
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Janna | KeJas-BlogBuch
Gast

Eine schöne Rezension, wobei ich mir dennoch nicht sicher bin, ob mich die Geschichte gefangen nehmen könnte. Gerade der kleine von dir genannte Kritikpunkt, könnte mich beim lesen doch stören …

Mukkelige Grüße :-*