Mit dr Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen | Lukas Rietzschel

Philipp und Tobias, zwei Brüder, die in Sachsen aufwachsen. In der Provinz, mit den Nachwirkungen der Auflösung der DDR.
Erwachsenwerden und sich selbst finden, wenn alles um einen herum zerrissen und kaputt ist. Während der eine sich zurückzieht und wegsieht, fast ohnmächtig ist, lebt der andere seinen Frust offen aus.

Meine Meinung

Wir verfolgen als Leser nicht einfach abwechselnd die verschiedenen Personen, sondern die Erzählweise ist übergeordnet. Fast gleichzeitig liest man die Gefühle und Gedanken aller Beteiligten. Über den Vater, der am Haus baut, zu den beiden Brüdern, die in der Baugrube spielen, zur Mutter, die die Söhne abholt und nach Hause fährt, zurück zum Vater der noch bleibt und dann ein Gespräch mit seinem alten Chef führt. Das gefiel mir sehr gut, auch wenn es anfangs verwirrend sein kann. Je älter die Brüder schließlich werden und ihre eigenen Wege gehen, umso aufgeräumter, strukturierter wird auch die Erzählweise des Autors.

Die Geschichte selbst ist sehr ruhig, aber nicht langweilig. Unterschwellig spürt man, wie es lodert, die Wut der Brüder, der Frust, mit dem jeder von ihnen anders umgeht. Eindringliche Momentaufnahmen des Erwachsenwerdens. Schlüsselpunkte in der Entwicklung der beiden Brüder, die es ihnen kaum möglich machen anders zu entscheiden, als sie es letztlich tun. Perspektivlosigkeit die das Leben zweier Brüder unterschiedlich bestimmt.

In meinen Augen literarisch besonders und mit Blick auf die braunen Märsche im Land brandaktuell.

Weitere Meinungen

„Ingesamt konnte Mit der Faust in die Welt schlagen von Lukas Rietzschel für mich nicht das halten, was der Klappentext versprochen hat. Aber der Schreibstil des Autors ist toll, die Charaktere werden intensiv dargestellt und um einen Einblick in das Leben in einem Ex-DDR Dorf zu bekommen, ist das Buch ideal.“ Julia von Leselust


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Vielen Dank an vorablesen, bei denen ich das Buch zur Rezension gewonnen habe.

4 Gedanken zu „Mit der Faust in die Welt schlagen | Lukas Rietzschel

  1. -Leselust Bücherblog- sagt:

    Hui, da hast du deine Meinung aber sehr kurz fassen können. Find ich gut. :)
    Und immer wieder spannend, wie unterschiedlich man Bücher als Leser*in so bewertet. Ich habe das Buch ja auch gerade gelesen und rezensiert und naja… bei mir ist es nicht ganz so gut weggekommen. ;D Spannend zum Beispiel, dass du schreibst, dass man „Die Gefühle und Gedanken der Beteiligten“ lesen kann. Das war nämlich einer meiner Kritikpunkte, dass ich den Stil sehr beschreibend und extrospektiv und gerade die Gedanken und Gefühle der Personen haben mir gefehlt. So blieb mir die Motivation für ihre Handlungen oft unklar.
    Aber freut mich natürlich, dass dir das Buch besser gefallen hat. :)
    Liebe Grüße, Julia

    • MlleFacettenreich sagt:

      Es passiert tatsächlich viel zwischen den Zeilen und man hat viel Raum zur Interpretation. Das ist natürlich gewagt, denn das funktioniert nicht immer. Denn es wird entweder unterschiedlich interpretiert oder aber, der Leser hat gar keine Assoziationen und es ist schlichtweg langweilig. Kann es nachvollziehen, was du in deiner Rezension geschrieben hast.
      Aber mir gefiel das am Buch: dass es mal was anderes war und dass es zwingt selbst zu denken, sich selbst eine Meinung zu machen. Der Erzähler ist völlig wertfrei und man ist selbst gezwungen die Situationen zu interpretieren.
      Und wie du schon sagst: spannend, wie unterschiedlich Bücher bewertet werden. :-)

    • MlleFacettenreich sagt:

      Man kann über dieses buch sicherlich viel diskutieren, aber im Monolog gelang mir das diesmal einfach nicht so gut. Daher einfach mal kurz und knapp. :-)

      Falls es eine von euch lies,t wäre ich gespannt, wie ihr es findet.

      Noch einen gemütlichen Restsonntag. <3

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