Lese-Highlights 2018

Meine Lese-Highlights 2018

Letztes Jahr habe ich es versäumt, dieses Jahr passiert mir das nicht!
Hier kommen also ganz pünktlich, mit den letzten Atemzügen des Jahrs 2018, meine Lese-Highlights.

Mein Januar war düster. Düster waren auch die Gedanken, die Ich und die Menschen von Matt Haig zeitweise in mir ausgelöst haben. Die Kunst des Buches ist es aber, diese Gefühle und Gedanken nicht nur auszulösen, sondern auch wieder einzufangen und sogar zu lindern. Ein sympathischer und kluger Roman, der philosophisch, als auch humorvoll, die Sinnhaftigkeit des Lebens klärt und was dieses lebenswert macht: Hunde, Musik, Erdnussbutter, Liebe.

„Ich liebe dich“, sagte sie.
Und in diesem Augenblick verstand ich den Sinn der Liebe.
Der Sinn der Liebe war: Sie half dir beim Überleben. Matt Haig – Ich und die Menschen, S. 266

Wenn die Einfachheit des Lebens erdrückend wird. Man sich selbst verliert in seiner eigenen Melancholie, immer auf der Suche nach dem Besonderen und im Wust von Eindrücken und Erlebnissen den Überblick verliert. Dieses Gefühl fängt ganz hervorragend Wolfgang Herrndorf in In Plüschgewittern ein. Auf der ständigen Suche nach dem tieferen Sinn, verliert sich der Erzähler in seinen Gedanken und Gefühlen, bis er schließlich nicht mehr zurück findet.

Ich bleibe aber noch sitzen und starre auf das Blut, das ein Semikolon unter ihrer Nase macht, was mich ein bisschen beunruhigt. Semikola sind ja bekanntlich noch viel trauriger als jeder Gedankenstrich oder Punkt. Wolfgang Herrndorf – In Plüschgewittern, S. 87

Wie ein Theaterstück wirft das Buch Hinterhofleben von Maik Siegel einen wunderbar metaphorischen Blick auf die deutsche Gesellschaft und die sogenannte Flüchtlingskrise. In dem Mehrparteienhaus finden sich eine Menge verschiedener Charaktere, die einen schönen Querschnitt unterschiedlicher Meinungen und Ideologien vertreten und ausleben, als ein Flüchtling Unterkunft in dem Haus finden soll. Die Wendungen überzeugen, die Charaktere überraschen (auch sich selbst), das Ende überwältigt. Unglaublich lesenswert!

Gab es in Deutschland wirklich nicht genug Platz für Flüchtlinge? Und warum war es Menschen nicht erlaubt, ein Land zu betreten? Deutschland hatte keinen König, dem das Land gehörte und der entscheiden konnte, wer dort leben durfte und wer nicht, so wie er entscheiden konnte, wer zu seiner Geburtstagsfeier kam. Wem gehörte das Land? Konnte einem ein ganzes Land gehören? Er hielt das für unwahrscheinlich – niemand war so reich. Maik Siegel – Hinterhofleben, S. 47

Eine verschachtelte Familiengeschichte, die sich nach und nach entfaltet. In einer Flucht, in einsamen Herzen, in Erinnerungen, im Wurst machen, in Obstler, einem Grabstein, einem Klavier und im Kirschen pflücken. Wunderschön bildhaft erzählt Dörte Hansen in Altes Land die Geschichte, von Anne, die weg muss aus der Stadt und Zuflucht sucht auf dem Land bei ihrer Tante Vera, die sie eigentlich kaum kennt. Die beiden arrangieren sich – mit sich, miteinander, mit den Menschen, mit der Vergangenheit und mit dem Leben. Vera hilft Anne sich zu fangen und Anne hilft Vera alte Geister zu vertreiben.

„Macht dich das nicht fertig“, fragte Anne, „dein Name auf dem Grabstein?“
Vera verstand die Frage nicht. „Da werde ich liegen, und das hab ich schriftlich. Gut zu wissen, wo man hingehört.“
Dörte Hansen – Altes Land, Seite 244

Eine bittersüße Geschichte, über das Leben, das Kranksein, den Tod und das Hoffen. Ehrlich und bodenständig, ohne Kitsch, erzählt Angelika Waldis in Ich komme mit die Geschichte vom Studenten Lazy, der todkrank und allein ist und sich irgendwie aus versehen mit der alten Nachbarin Vita Maier anfreundet. Ehe sie sich versehen, wohnen die beiden Einsamen fast zusammen, halten sich aus, lernen sich mögen, machen Urlaub und gemeinsame Ablebenspläne. Melancholisch fröhlich, wie das Leben eben manchmal ist.

Leben ist, wenn man sterben das Letzte findet. Angelika Waldis – Ich komme mit, S. 171

Habt ihr eins (oder mehrere) der Bücher gelesen?
Und was waren eure Lese-Highlights 2018?

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MlleFacettenreichJanna | KeJas-BlogBuch Letzte Kommentartoren
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Janna | KeJas-BlogBuch
Gast

Habe kein einziges gelesen oder bei mir liegen, außer Matt Haig – dank dir :-* und das wird 2019 definitiv gelesen <3