Killing Zombies and kissing you von Magret Kindermann

Killing Zombies and kissing you | Magret Kindermann

Die Glücklichen sind die, die zuerst sterben. S. 29

Magrets Zombies. Ein Buch auf das ich seit einem Tweet von Magret von vor ein paar Jahren warte – einer der ersten, den ich von ihr las und weswegen ich ihr prompt gefolgt bin. Ich meine Zombies, hallo? Natürlich bin ich da direkt schon mal pauschalinteressiert. Magret Kindermanns Und dein Leben, dein Leben war das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe und da haben mich bereits Stil und Tiefsinnigkeit überzeugt. Keine Frage also, dass die Zombies nun einziehen durften und nach all der Wartezeit auch direkt gelesen wurden.

Nun mag man denken „Orrr, nicht schon wieder Zombies“. Aber dieses Buch ist wirklich mal was anderes. Natürlich kommen Zombies vor und natürlich beschäftigt sich das Buch auch mit dem essentiellen Thema: Überleben.

Leben ist Schmerz. S. 78

Aber Magret schreibt eben nicht nur über das Große und Ganze, sondern über das Individuum. Und das in Form der Protagonistin Bea.
Die hat nämlich nicht nur mit den Zombies zu kämpfen (und das oft mehr schlecht als recht), sondern eben auch mit dem Mangel an Essen und Wasser, mit den Gefahren, die von Zombies aber auch Menschen ausgehen, wer ist vertrauenswürdig, wer nicht und letztlich sogar mit etwas Profanem, wie der Periode. Äußerst genial!

Denn gerade bei Langzeiterzählungen während einer Zombieapokalypse – ich denke hier besonders an The Walking Dead – spielt so etwas Normales kaum eine Rolle, wird schlichtweg nicht thematisiert. Aus Angst vor dem Thema oder aber weil man es nicht für interessant genug hält sei mal dahin gestellt.
Aber grundsätzlich ist es das, was mir bei einer solchen Serie fehlt, es wird ständig gekämpft, aber eben nur gegen Zombies und andere Menschengruppen. Selten gegen sich selbst, selten gegen den Alltag, der nun so völlig anders ist. Das Essen reicht immer irgendwie, in all der Zeit ist niemand an Hunger verreckt. Ich meine, wir sind bei Staffel zehn und es gibt immer noch Benzin für Daryls Motorrad. Und eben auch, dass die Frauen nicht ein einziges Mal Probleme wegen fehlender Hygieneartikel hatten.
Und das ist eben der Unterschied. Magret Kindermann hat sich gefragt, was wären Probleme, die man hätte und diese gekonnt eingeflochten. Hat sich auf den Kampf der Protagonistin mit sich selbst fokussiert, statt nur den Kampf gegen Zombies und andere zu fokussieren. Zombiekämpfe kommen natürlich nicht zu kurz und Magret hat diese mit schauerlichen Details gespickt, aber es ist doch sehr erfrischend mal etwas mehr Tiefe in einem Zombieroman zu finden.

Zombies und Liebe – geht das?

Dazu das Thema Liebe, vor dem ich vorab etwas Sorge hatte, weil das nicht so meins ist. Also Liebe an sich schon, aber eben nicht diese kitschige glattgebügelte Liebe, die trieft und von vorne bis hinten perfekt ist. Doch auch das hat Magret wunderbar gemeistert für meinen Geschmack. Kein Kitsch, keine unnötige Romantik oder Sexszenen, bei denen man sich schüttelt. Sie hat sich anderen Fragen gewidmet. Kann und darf man sich während einer Zombieapokalypse verlieben? Sollte man das? Ist das klug? Oder ist allein sein besser? Gibt es sich verlieben überhaupt noch, wenn nur noch so wenige Menschen da sind oder ist es eher zweckdienlich?

Menschliche Nähe. Sie ist das, was dich zwingt, überleben zu wollen. Sie ist aber auch das, was dich angreifbar macht. S. 27

Dieses Buch hat, wenn man die Thematik Zombies betrachtet, unerwartet viel Tiefe. Wenn man Magret Kindermann aber kennt, dann konnte man vermuten, dass das Buch Tiefe haben wird und wird meines Erachtens auch nicht enttäuscht.

„Mein Gehirn ist nicht Matsch und ich fresse niemanden an. Das reicht mir, um Mensch zu sein.“ S. 130

Ich konnte mich wunderbar mit Bea identifizieren (und das trotz des Altersunterschieds), ich konnte all ihre Gefühlslagen total nachvollziehen und würde mich während einer Apokalypse vermutlich ähnlich fühlen (wenn ich denn überhaupt so lange überleben würde …). Der Love Interest Simon ist in meinen Augen ein bisschen zu sehr „to good to be true“, auch wenn er sich in manch einer Situation nicht von seiner besten Seite zeigt. Ein Schnösel irgendwie, der eben – genau wie Bea – bei all dem Chaos auch mit sich selbst zu kämpfen hat. Mein Typ ist er nicht, aber – und das ist eben auch eine Stärke des Buches – ich konnte Beas Gefühle trotzdem nachvollziehen.
Grundsätzlich sind die Charaktere allesamt wunderbar ausgestaltet. Viele tolle Figuren zum Verlieben und sich Sorgen drum machen, manch eine auch zum Hassen. Alle wunderbar verworren, wie Menschen es nunmal eben sind.

Ich hatte ein wenig Angst, dass die Zombies meine jahrelang gewachsene Erwartung nun vielleicht nicht erfüllen könnten, aber diese Sorge war nach dem ersten Kapitel schon verpufft. Ein sehr starkes erstes Kapitel, dass Leserinnen und Leser in ein noch stärkeres und tolles Buch führt. Von mir also eine absolute Leseempfehlung auch wenn man mit dem Genre New Adult oder Romance sonst nichts am Hut hat. Wer Tiefe und unkitschige Gefühle mag und auch auf Endzeit steht, der wird hier nichts falsch machen. Für mich ein absolutes Lesehighlight in diesem Jahr.

Die Pflanzen unter meinen Sohlen zeigen mir: Das Leben geht weiter. Nur anders. S. 248


Weitere Rezensionen

„Mit den Themen in der Story, die Magret im locker-direktem Schreibstil verpackt hat, hat sie mich überzeugt und Gedanken geschaffen, über die ich innerlich gern philosophiere.“ Curly Sue Glander vom Buchensemble

8
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2 Kommentatoren
MlleFacettenreichJanna | KeJas-BlogBuch Letzte Kommentartoren
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Gast

Hach ich freue mich, das dich das Buch so abholen konnte *-*