Drecksspiel Martin Krist

Drecksspiel | Martin Krist

Berlin im Sommer. Überhitzt und schwül.

Ein frischgebackenes Elternpaar gönnt sich spontan eine Auszeit. Offenbar scheinen die Geldsorgen endlich ein Ende zu haben, endlich wird es besser.

Die Tochter eines angesehenen Architekten und seiner politisch engagierten Frau wurde entführt. Die Lösegeldübergabe fand statt, trotzdem ist das Mädchen nicht nach Hause gekommen. David Gross, ehemaliger Polizist und mittlerweile Privatermittler, wird hinzugezogen.

Der Kommissar Toni Risse streitet sich mit seiner Geliebten, einer Prostituierten. Kurze Zeit später wird diese tot aufgefunden.

Und damit beginnt das Drecksspiel.

Scheiße! Was für eine Scheiße!
Er atmete durch, rief sich zur Ordnung. Aber sein Herz schlug schnell wie ein Trommelwirbel. Das Blut pulsierte siedend heiß hinter seinen Schläfen. Schweiß tropfte ihm von der Stirn.
Verfickte Scheiße!

Meine Meinung

Ein großes Talent von Martin Krist ist, mit unterschiedlichsten Handlungssträngen zu beginnen und diese im Laufe des Buches so intelligent und gekonnt miteinander zu verweben, dass einem Hören und Sehen vergeht. Es fügt sich alles so gut zusammen, dass man perplex vor dem Buch sitzt und denkt „Mann, das hätte mir doch auffallen müssen!“. Und eben deswegen großes Talent: es fällt nicht auf, es ist so geschickt geschrieben, dass nichts vorhersehbar ist. Gerade in Drecksspiel ist es ein Genuss zu verfolgen, wie zunächst wie Kleinigkeiten wirkende Dinge zu wichtigen, ja gar geschichtsträchtigen Entwicklungen führen. (Das macht es allerdings auch besonders schwierig etwas über die Geschichte zu erzählen ohne zu spoilern.)

Drecksspiel ist temporeich, springt von Charakter zu Charakter, ohne dabei konfus zu werden, setzt Stück für Stück Informationen frei, die den Fall aufklären, aber immer nur so viel, dass man genau so lange wie David Gross im Dunkeln tappt.

Wiedermal liefert Martin Krist Charaktere, die man ihm abnimmt, die greifbar und echt wirken. Der geheimnisvolle Ermittler, mit der Vergangenheit, die ihn bis in seine Zukunft verfolgt und ihm Sorgen bereitet. Der korrupte Bulle, der so ein Wichser ist, dass man nur schwer Mitleid mit ihm und der Scheiße die er sich eingebrockt hat haben kann. Der verzweifelte Grafiker, der doch nur die Möglichkeit gesehen hat endlich seine Sorgen loszuwerden und in einem schwachen Moment eine falsch Entscheidung traf. Die Gefangene, die um ihr Leben kämpft.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wiedermal gelingt Martin Krist mit Drecksspiel ein Pageturner. Jedes Kapitel endet so spannend, das es schwer fällt, das Buch zur Seite zu legen. Es stellen sich so viele Fragen, dass die Langeweile keine Chance hat und die Ereignisse überschlagen sich und geben weder den Figuren im Buch noch dem Leser Zeit zum Verschnaufen.

Es ist düster, es ist fies, es ist brutal – ein Drecksspiel, im wahrsten Sinne.


Weitere Rezensionen

Janna von KeJas Blogbuch hat das Buch ebenfalls gelesen und rezensiert.
Und auch Conny von Pink Anemone.


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Besten Dank an Martin Krist, der mir das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

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[…] Martin Krist – Drecksspiel […]

Janna | KeJas-BlogBuch
Gast

Wahrscheinlich den Vorgänger zu Drecksspiel, welcher zu einer seiner anderen Reihen gehört!? Habs unterhalb meiner Rezi verlinkt (=

Hoffe du freust dich <3

Diana
Gast

Hallo Cathy,
obwohl ich das Buch schon gelesen habe (es ist allerdings etwas länger her), habe ich durch deine Rezension Lust bekommen es nochmal zu lesen. :D
Ich werde es die Tage nochmal in die Hand nehmen müssen. Denn die Erinnerung daran ist leider schon etwas blass, ich weiß nur noch, das es mir auch sehr gut gefallen hat.
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Janna | KeJas-BlogBuch
Gast

Lieben Dank fürs Verlinken, hab ich bei meiner direkt auch gemacht <3 Mir fehlte das letzte Fünkchen, aber ich kann dir nur zustimmen. Und Krist ist wirklich einer der wenigen, die trotz vieler Charktere und Sprüngen ein gelungenes und nachvollziehbares Gesamtbild schaffen! Nach dem Cliffhanger musste "Brandstifter" natüüüürlich direkt einziehen, aber nun liegt es immer noch ungelesen im Regal :D Hab ein hoooooffentlich erholsames Wochenende! und nun kann ich es einfach nicht mehr für mich behlaten (wie so ein Kleinkind) und schreib es ganz unpassend hier: du liest es zwar auch, aber da kommt ganz schnell was und ja, du… Weiterlesen »