Dracula Bram Stoker

Dracula | Bram Stoker

So gehe ich nun ein in die Geschichte, als die Frau, die über 1 1/2 Monate für Dracula gebraucht hat. Immerhin, man wird sich an mich erinnern.

Es dauert und dauerte, obwohl ich bei jeder Busfahrt, in jeder freien Minute, fleißig las. Es dauert so lange, dass ich zwischenzeitlich schon dachte, dass Buch selbst sei verflucht und ich für immer in der Geschichte von Graf Dracula gefangen. Drei mal bekreuzigt, Hostie geschluckt und in Weihwasser gebadet, habe ich es aber schließlich doch noch geschafft!

Über das Buch

Was ich ganz klar sagen muss: das Buch hat seine Längen.
Und davon nicht zu wenige. Die Geschichte ist eine Korrespondenz zwischen den beteiligten Figuren (ausgenommen Dracula selbst), die in Brief- und Tagebuchform erzählt und mit Zeitungsausschnitten ausgeschmückt wird.
Und wenn ich sage erzählt, dann meine ich erzählt. Jede Einzelheit aus jeder Perspektive.
Das bedeutet: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen.
Das war an mancher Stelle müßig um nicht zu sagen langweilig. Es gab also ein paar Passagen, bei denen ich mich doch ein wenig quälte.

Weiterer Nachteil eines Klassikers: Man kennt die Geschichte im Groben schon. Es ist wohl kaum zu vermeiden, dass man vom über 100 Jahre alten Dracula rein gar nichts mitbekommen hat. Und selbst wenn man nichts von Graf Dracula selbst mitbekommen hat, so kennt man doch die geläufigen Mittel sich einen Vampir vom Leibe zu halten. Im Umkehrschluss heißt das, während sich die Figuren der Geschichte mühselig alles Wissen über die Bekämpfung eines Vampirs aneignen, muss man sich selbst beim Lesen immer wieder daran erinnern, dass man mit ihnen nicht zu streng ist, denn sie haben zum aller ersten Mal mit einem Vampir zu tun.

Hier und da schwierig

Was mich wirklich verwundert hat waren Sätze wie:

Die Erde roch dumpfig und muffig, aber wir nahmen keine Notiz davon, denn unsere Aufmerksamkeit war auf den Professor gerichtet.

So weit, so gut. Aber …
Zur Erläuterung: Es handelt sich bei dem Auszug um einen Tagebucheintrag. Das bedeutet, um es ins Tagebuch einzutragen, muss derjenige durchaus den Geruch wahrgenommen haben. Diesen Satz dann überhaupt zu schreiben, ist schlicht unlogisch und geht nicht ganz auf …
Und sowas mag ich gar nicht gerne leiden. Auch bei einem Klassiker wie Dracula kann ich das nur zähneknirschend hinnehmen.

Mir ist durchaus bewusst, dass Literatur damals anders war, als sie heute ist. Keine Frage.
Aber ich zweifle an, ob Dracula heutzutage so durchs Lektorat gekommen wäre. Ohnehin wäre das Buch vermutlich nur halb so dick geworden. Was ich persönlich bevorzugt hätte.

Und dann die Frauen in dem Buch: Von Frauenpower keine Spur. Man muss sich beim Lesen wirklich immer wieder daran erinnern, von wann das Buch ist, damit man von den Frauen nicht allzu frustriert ist und es erträgt. Schwierig, schwierig.

Mein Fazit

Wie dem auch sei: Wer sich für Vampire und den Urvampir schlechthin interessiert und sein Fachwissen mal untermauern möchte, der kommt an Dracula schlichtweg nicht vorbei.
Ohne die Liebe zu Blutsaugern und alter Literatur wird man es mit der Lektüre aber schwer haben. Eins von beiden muss gegeben sein und einen langen Atem braucht man unbedingt. Und den Knoblauch nicht vergessen!

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