Der Klub der Ungeliebten Dennis Stephan

Der Klub der Ungeliebten | Dennis Stephan

Der Mensch verbringt so viel Zeit damit, über die Liebe nachzudenken, dass er manchmal völlig vergisst, zu lieben. Dann sucht er nach diesem Gefühl, als sei es eine fehlende Socke, und weil er des Suchens müde wird oder Angst davor hat, es nicht zu finden oder gar verletzt zu werden, gibt er sich mit etwas anderem zufrieden.
Die Leute glauben, damals wie heute, die Ehe wäre eine Garantie für Liebe. Aber die Wahrheit ist, dass es keine gibt. Wenn du eine Garantie auf irgendwas möchtest, dann kauf dir eine Waschmaschine, aber erwarte sie nicht im Tausch gegen ein Herz. S. 81

Der Inhalt

Nie war der Ausdruck „Ein Herz und eine Seele“ treffender, als für Adam und Coralie. Die beiden kennen sich besser, als sie sonst jemand kennt, verstehen den anderen, ohne dass er reden muss, wissen, was der andere denkt und fühlt.
Während Adam Romantiker ist und trotz schmerzlicher Erfahrungen immer noch an die große Liebe glaubt, ist Coralie abgebrüht und hält Liebe für reine Illusion, zweckdienlich nur, um sich fortzupflanzen. Zusammen mit Madame Porzellan, die im Stockwerk über den beiden wohnt, philosophieren sie bei Erdbeerwein über die Liebe und das Leben. Gründen den Klub der Ungeliebten und möchten dabei eigentlich doch nur eins: geliebt werden.

„Verliebt heißt, dass du merkst, irgendetwas läuft verkehrt. Darum heißt es ja verliebt. So wie wenn man sich verschreibt oder verläuft. Verliebt ist, wenn du plötzlich nicht mehr weißt, wer du bist oder was in deinem Körper vor sich geht“, folgert Coralie. S. 145

Meine Meinung

Was erstmal wie ein schnöder Liebesroman klingen mag, ist nichts davon. Liebe ist Thema, aber von Kitsch keine Spur. Die beiden durchleiden alle nur möglichen Stadien, die man erlebt, wenn man sich auf die Liebe einlässt. Von dem Hochgefühl des Verliebtseins, über die Verzweiflung des Abgewiesenwerdens, bis hin zur Tragik der Eifersucht. Nichts wird ausgelassen. Und dazwischen noch der übliche Alltag, gespickt von dem unüblichen Wahnsinn.

„Die Welt der Erwachsenen ist ein großer Haufen Scheiße. Ich mag das Nimmerland, Peter, und ich weiß nicht, ob ich wirklich auf die langen Nächte mit dem Klub der Ungeliebten verzichten möchte.“ S. 108

Der Klub der Ungeliebten von Dennis Stephan Abwechselnd erzählen Coralie und Adam die Geschichte, immer wieder durchflochten mit Erinnerungen, die erläutern, warum beide sind, wie sie sind: endloser Romantiker, unerbittliche Realistin.
Zwei Leben, so stark miteinander verwoben, dass sie nichts auseinander bringen kann. Weder die Vergangenheit, noch die tragischen Ereignisse in der Gegenwart.
Und vielleicht ist letztlich das die Liebe, nach der beide suchen, ohne es zu wissen.

Wenn auch die Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Sinn der Liebe und der Suche danach, alte Fragen sind, auf die schon viele eine Antwort gaben, so ist dieses Buch keineswegs vorhersehbar. Es überrascht, und das nicht nur mit unerwarteten Wendungen, sondern auch mit einer so poetischen Sprache, dass es mit der einen Zeile das Herz beflügelt, mit der nächsten das Herz wieder schwer werden lässt. Ein Gefühlschaos, wie es auch die Protagonisten durchmachen.

Wenn sich das Laub der Bäume im Herbst färbt und welk wird, dann eigentlich nur, weil es sich nach der Sonne sehnt. Was uns wunderschön und farbenprächtig anmutet, ist in Wahrheit nichts weiter als die stumme Trauer des Verlassenseins. S. 192

Fazit

Mit seinem Debüt liefert Dennis Stephan eine wirklich einfallsreiche Geschichte über die Liebe und die Liebenden. Sein Stil ist poetisch, metaphorisch – das muss man mögen, dafür muss man offen sein, aber wenn man das ist, dann erwartet einen tolle Literatur.

Während ich die nächtlichen Straßen überquere, lausche ich dem Knistern der elektrisierten Atmosphäre, dem Knobeln der Taxifahrer über Kreuzworträtseln, dem Plätschern der Kanalisation und den klackernden Geräuchen meiner eigenen Schritte. Ich lasse mich vom Metrum der Nacht mitreißen, bilde einen Vers im Gedicht der schlafenden Stadt. S. 68


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Vielen Dank, lieber Dennis, für das Rezensionsexemplar. Es war mir wirklich eine Freude!

Interview mit Dennis Stephan über sein Debüt.

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