Das Litcamp Bonn 2018 – Meine Eindrücke

Mein erster Besuch eines Barcamps – und ich hatte wirklich kaum eine Idee, was auf mich zukommen würde. Ich hatte was von Sessions gehört und der sagenumwobenen Vorstellungsrunde, aber ansonsten … muss man wohl einfach mal ausprobieren.

Als lampenfieber-geplagter Mensch war eine Session meinerseits undenkbar und auch die Vorstellungsrunde trieb mich schon fast an meine Grenzen. War aber gar nicht schlimm.

Definition Barcamp laut Wikipedia: 
Ein Barcamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren 
Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst 
entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen 
dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber 
auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen 
(z. B. bei gemeinsamen Programmierworkshops).

Litcamp Bonn 2018 Sessions Der Raum war gut gefüllt, aber es war eine so lockere Runde, dass man schnell vergisst, dass einem bei der Vorstellungsrunde gut 100 Leute zuhören, wenn man seinen Namen und drei Hashtags (#lesen #schreiben #bloggen – beim nächsten mal trau ich mich sicher mehr) ins Mikro spricht.

Bei der Sessionplanung kann jeder der mag nach vorne und (geplant oder spontan) sein Thema vorstellen, über das er eine Session halten möchte. Je nach Interesse des Publikums wird ein Raum bestimmt und schließlich hat man am Ende selbst die Qual der Wahl, wenn man sich entscheiden muss, welche Sessions man besucht.

Erste Session: Schreibzeitplanung

Das fing schon damit an, dass ich als erstes mal entscheiden musste, ob ich zur Session Schreibzeitplanung gehe oder Ukulele lerne. Habe mich dann für die Schreibzeitplanung entschieden, da ich nein musikalisches Talent für noch unterirdischer halte, als mein Schreibtalent. Janine (auf Twitter zu finden unter JAMOKA_Writing) hat in kurzer Zeit wirklich toll in das Thema eingeführt und aufgezeigt, warum Schreibplanung so sinnvoll ist.

Wenn man erfolgreich schreiben möchte, sei es ein Roman, eine Hausarbeit oder auch nur der Einkaufszettel, muss man das Schreiben ernst nehmen und dieser Aufgabe entsprechend Zeit einräumen. Um das clever anzustellen, muss man sich selbst kennenlernen. Herausfinden wann, wo und wie man am besten schreiben kann. Schreibe ich lieber/besser morgens oder abends? Lenkt ein voller Schreibtisch mich ab? Brauche ich Hintergrundgeräusche, oder sogar Musik oder muss es absolut still sein? Mit der Hand vorschreiben oder direkt tippen?
Bevor ich mir also Schreibzeit einräume, sollte ich mir auch Gedanken darüber machen, wann diese am sinnvollsten ist. Denn jeden Morgen eine Stunde eher aufstehen um zu schreiben, bringt rein gar nichts, wenn ich schlicht kein Morgenmensch bin und nicht in Fahrt komme oder mich der Sonnenaufgang beim Blick aus dem Fenster so sehr ablenkt, dass ich doch nicht schreibe.

Litcamp Bonn 2018 Schreibzeitplanung bei Janine Des weiteren gab Janine auch Tipps, wie man sich selbst motiviert: Kleine Ziele setzen, Belohnungen aussetzen. Sei es ein Kinobesuch oder eine Tafel Schokolade nach dem man das Ziel erreicht hat. Wichtig ist nur dass man die Ziele eben nicht zu hoch steckt. Sie müssen erreichbar sein. Lieber viele kleine schnellerreichte Ziele, als ein übergroßes, welches einen überfordert und man deswegen irgendwann aufgibt.
Klar ist jedoch, es gibt nicht einen Masterplan der Zeitplanung und Selbstmotivation. So einfach ist es leider nicht. Die höchsten Tugenden des Schreibenden sind Geduld und Disziplin. Wichtig ist, dass man sich selbst unter die Lupe nimmt. Herausfindet, was einem beim Schreiben hilft, wann man am besten schreibt und womit man sich am besten belohnen und motivieren kann. Denn nur, wenn man sich als Schriebenden genau kennt, kann man einen Zeitplan entwickeln, der zu einem passt und der tatsächlich produktiv statt frustrierend ist.

Zweite Session: Sketchnotes

Spontan hatte Christin (twittert unter kaisu_schreibt) sich doch nach vorne getraut bei der Sessionplanung und konnte uns Zuhörer schließlich in die Welt der Sketchnotes einführen. Und ich muss sagen, so aufwendig und ablenkend wie ich immer dachte, ist es gar nicht.
Die Idee der Sketchnotes: schnelle notizenhafte Bildchen die eine Präsentation oder ähnliches auf Papier festhalten.
Die gerechtfertigte Frage: lenkt es nicht total ab, wenn man eigentlich zuhören und Notizen machen soll, aber stattdessen Bildchen malt?
Ganz im Gegenteil. Während man nämlich nach den passenden Bildchen überlegt, die man zeichnen kann, um die Thematik festzuhalten, bleibt diese unterbewusst viel besser hängen, da man sie im Kopf visualisieren muss. Während das klassische Notizen machen, das Hirn kaum beansprucht und man dabei wesentlich schneller abschaltet.
Und wie so oft bei kreativen „Hobbies“, gilt: learning by doing. Einfach machen. Immer und immer wieder. Üben, üben, üben.

„Immer wieder machen. Immer wieder rumskizzieren. Man entwickelt sich extrem.“
Christin, kaisu_schreibt

Litcamp Bonn 2018 Sketchnotes bei Christin Christins Tipps:

  • Papier und Stift – wichtig ist, dass man sich mit beidem wohlfühlt
  • mehr Bilder als Worte – Worte nur stichpunktartig
  • bei den Bildchen (Piktogrammen) bei den Basics bleiben – je einfacher desto besser
  • Platz lassen, falls man doch noch mal was hinzufügen muss
  • nie vergessen: die Sketchnotes macht man erstmal nur für sich, niemand sonst muss sie verstehen (oder müssen sie gefallen)

Weil noch Zeit übrig war hat Christin für uns noch live ein Märchen „gesketchnoted“: Rotkäppchen.
Dabei stellte sich heraus, dass keiner von uns wirklich märchensicher ist. Nächstes Jahr vielleicht eine Session „Märchen 101“?!

Dritte Session: Der Weg zum Cover

Nach der Mittagspause habe ich die Session Der Weg zum Cover (oder auch: Ein gutes Cover ist wie ein Liebhaber, den man genüsslich entblättern will) von Ingeborg Helzle (auf Twitter zu finden unter eBookerei)besucht.
Da ich selbst Gestalterin bin, fand ich es einfach mal interessant zu hören und zu sehen, was andere für ein gelungenes oder weniger gelungenes Cover halten.

Das Buchcover hat es aber auch wirklich nicht leicht, denn es trägt die große Last als erstes wahrgenommen zu werden (meist noch vor Titel oder Autorenname und in jedem Fall vor dem Klappentext oder dem aufschlagen des Buches). Somit muss es mit einem Blick die richtige Zielgruppe ansprechen, modern und aktuell wirken, das Genre ausstrahlen und auch einen Hinweis auf die Thematik der Geschichte geben und im Idealfall in der Buchhandlung als auch in der kleinen Bildvorschau von Online-Verkaufsplattformen funktionieren. Absolut keine leichte Aufgabe.

Mein Fazit aus der Session: Es lies sich heraushören, dass die Mehrheit genug hat von dem Einheitsbrei den man schon am Cover erkennt.
Und: wer erfolgreich verkaufen will, sollte unbedingt ein professionelles Cover gestalten lassen, denn ein professionelles Cover strahlt professionellen Inhalt aus. Auch wenn man so schön sagt: don’t judge a book by it’s cover.
Und professionell heißt nicht gleich teuer. Ein gut gemachtes Premade-Cover bekommt man laut einer Teilnehmerin schon ab etwa 30 Euro. Wenn man ein komplett eigens gestaltetes Cover möchte, bei dem man auch noch mitreden kann, sollte man in etwa 300 bis 500 Euro in die Hand nehmen, rät Ingeborg.

Vierte Session: SEO für Anfänger

Elena von All meine Träume hat ganz toll in das Thema Suchmaschinenoptimierung eingeführt. Einen kurzen verständlichen Überblick gegeben, was man beachten sollte und was wichtig ist, damit man in den Suchmaschinen eine möglichst gute Platzierung bekommt. Alles kein muss, aber auch kein Hexenwerk und mit ein bisschen Fleißarbeit zahlt es sich schnell aus. Zum Ende hin ist aus der Session eine kleine Diskussionsrunde geworden bei der gegenseitig Tipps ausgetauscht wurden. Weil eben auch das Barcamp ist. Eine Session entwickelt sich und man tauscht sich aus.

Für alle, die nicht dabei sein konnten, oder die noch mal nachlesen möchten, was Elena vorgetragen hat, hat sie vor einigen Tagen einen umfassenden Artikel zum Thema SEO auf ihrem Blog veröffentlicht.

Last but not least: DSGVO-Selbsthilfegruppe

Auch hier bin ich aus reiner Neugier hingegangen, um mal meinen eigenen Wissensstand einzuschätzen. Sessionleiterin Britta Kretschmer (bei Twitter unter KretschmerB zu finden) erzählte sehr souverän von ihren Recherchen und teilte breitwillig ihr Wissen mit uns Zuhörern, auch wenn sie immer wieder darauf hinweisen musste, dass auch sie eben keine Rechtsanwältin ist und nur ihre eigene Interpretation wiedergibt.
Zum Ende hin gab es natürlich wieder den allgemeine Frust zum Thema. Es nützt alles nichts: reinlesen, Zähne zusammen beißen, abarbeiten.

Mein Fazit zur Veranstaltung

Ich bin immer noch sehr begeistert. Vom grundsätzlichen Konzept eines Barcamps, welches mir bis vor ein paar Wochen noch völlig unbekannt war, von den Sessions die zustande gekommen sind und von den tollen Menschen die ich kennenlernen konnte.
Sich zusammentun unter einem Thema das alle gleichstark interessiert und gemeinsam das Programm gestalten und sich austauschen ist wirklich großartig. Ich habe für mich einiges mitnehmen können; habe den Tag als äußerst inspirierend und motivierend empfunden. Das ist eben der positive Effekt, wenn Menschen mit den gleichen Interessen sich zusammentun.
Ich persönlich hatte einen schönen und unterhaltsamen Tag, der einfach so verflogen ist. Wenn das Datum passt, bin ich im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei. Und ich habe große Lust auch mal in Heidelberg und Hamburg vorbei zu schauen. Und wie ich höre, soll demnächst auch eins in Berlin stattfinden, das mich auch reizen würde. So oder so, es war definitiv nicht mein letztes Litcamp.

Und weil das auch noch mal gesagt werden muss:

Vielen Dank an Ursula Fuchs und Ute Lange für die tolle Organisation! Hier geht’s zur Seite des Litcamp Bonn. Und natürlich auch Dank an die Sponsoren.

https://twitter.com/Mlle_Facette/status/990255289462030336

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Sina von Sinas Geschichten
Silvia von Leckere Kekse
Krissi von Gerngelesen
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Stephanie Müller

14 Gedanken zu „Das Litcamp Bonn 2018 – Meine Eindrücke

  1. Silvia sagt:

    Ich kann immer noch nicht fassen, das wir uns nicht erkannt haben.
    Nächstes Mal!
    Danke für deinen Bericht, die Sketchnote-Session hätte ich sehr genre besucht, aber der zitierte Twitter-Spruch oben in deinem Bericht ist einfach wahr.
    Viele Grüße
    Silvia
    .

  2. Sina sagt:

    Ach, ich freue mich ja immer über Sessions zu lesen, bei denen ich nicht war *_* Da merkt man erst so richtig, was man verpasst hat :D
    Für so ein LitCamp bräuchte man echt n Zeitumkehrer!!

    Ein dickes Danke für die Verlinkung <3

    • MlleFacettenreich sagt:

      Ein Zeitumkehrer wäre sooo cool! Allerdings würde der Austausch dann vielleicht auch weniger, wenn man doch alle Sessions selbst besuchen könnte.

      Immer gerne! <3

  3. Christin sagt:

    Pssssst: Streich das „e“ aus meinem Namen.
    Christin XD
    Danke für die positive Rückmeldung. Konnte mich danach gar nicht mehr so recht an das erinnern, was ich so alles erzählt habe.

    Und Danke für den Einblick in die anderen Sessions. Am Ende wünscht man sich doch, sich aufteilen zu können :D
    Freu mich auf nächstes Jahr!

    • MlleFacettenreich sagt:

      Boooah, die blöde Autokorrektur auf dem Handy. Dachte ich hätte alle Es erwischt, aber das letzte kille ich natürlich auch noch. ;-) Sorry!

      Dafür haben wir alle ja fleißig Notizen für dich gemacht. :-D

      Das stimmt. Ich „bereue“ am allermeisten, dass ich immer noch nicht Ukulele spielen kann. x-D

      Ich mich auch! Hoffe das passt zeitlich!

  4. Elena sagt:

    Hallo :)

    Da hast du einen schönen Bericht geschrieben! Und danke für die Erwähnung meiner Debüt-Session.

    Ich habe mich sehr gefreut, dass wir uns mal getroffen haben und würde mich freuen, wenn es dieses Jahr mit dir und Hamburg klappen würde. Der Austausch ist ja nicht zuletzt wegen mir doch etwas kurz gekommen.

    Liebe Grüße
    Elena

    • MlleFacettenreich sagt:

      Bittedankesehr! <3

      Hab mich auch sehr gefreut. Ist ja doch mal was anderes, als immer nur in der digitalen Welt. :-)
      Ach was, ich tue mich mit Austausch grundsätzlich ohnehin schwer und scheue mich etwas. Kannst also froh sein, dass wir überhaupt ausgetauscht haben. ;-)
      Aber das wird mit jedem Treffen besser. :-)

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