Bela B Scharnow

Bela B lädt nach Scharnow ein

Wenn Bela B ein Buch schreibt und eine Leserunde veranstaltet, dann geht man gefälligst dahin. Denn eins ist klar, selbst wenn das Buch nichts taugen sollte, so ist ein unterhaltsamer Abend doch mehr als garantiert. Das hat er auch gestern in Münster, in einem komplett gefüllten Kinosaal, bewiesen. Und auch, dass das Buch sehr wohl etwas taugt und ernstzunehmende Konkurrenz auf dem Buchmarkt ist.

In Morgenmantel und Hausschuhen, die an einen gewissen Playboy erinnern, betritt Bela B die Bühne. Der Rockstar muss erstmal draußen bleiben, hat man den Eindruck. Als müsse Herr Felsenheimer erst das Publikum prüfen. Als würde er das Bild einer Literaturlesung lange genug aufrecht erhalten wollen.

Souverän beginnt Bela die Lesung, startet die Einleitung, liest ein Kapitel vor. Erst dann begrüßt er das Publikum, erzählt ein bisschen vom Bucherfolg – und spätestens da ist er dann wieder. Der Bela, wie wir ihn kennen und lieben. Rotzig und frech, sympathisch-eingebildet wie eh und je, erzählt er wie überwältigt er vom bisherigen Erfolg seines Buches ist. Bestsellerliste, wenn man ihm das vor zehn Jahren gesagt hätte, er hätte es nicht geglaubt. Glaubt es auch heute nicht.

Erzählt, von surrealen Momenten. Zum Beispiel, einem Ferdinand von Schirach der auf der Leipziger Buchmesse beim Kauf von Scharnow gesehen worden sein soll. Lausbübische Freude bei Bela – verständlich. Nach all den Erfolgen, die er in seinem Leben schon hatte, ist es eine Freude, dabei zuzusehen, wie sehr er sich auch über die Erfolge um Scharnow noch freuen kann.

Grotesk, lustig

Es folgen Auszüge eines Überfalls in Scharnow und wir lernen eine Handvoll der zahlreichen Personen kennen. Vier Kumpels, betrunken, nackt, überfallen den einzigen Supermarkt im Ort. Die entnervte Kassiererin erträgt es gerade so, ein Mangamädchen filmt das, was ja wohl nicht der Ernst der Räuber sein kann. Die Filialleiterin beobachtet überfordert das Geschehen von ihrem Büro aus. Die Coen-Brüder hätten es nicht besser machen können.
Darauf bereitet Bela erstmal „Mische“ zu, ein Mixgetränk aus Fanta und Korn. Verhältnis 45 zu 55 Prozent. Das Publikum darf probieren. Vier Gläser gehen durch die Reihen.

„Mathe und Literatur, das sind meine Steckenpferde.“
Bela B über die Entwicklung der Anzahl der Personen im Buch.

Auf der großen Kinoleinwand während der Lesung immer wieder Zeichnungen von Aleks und Shantu. Bela bereitet uns auf die nächste Szene vor: einer der Räuber hat sich übergeben müssen. Man wäre nicht bei einer Lesung von Bela B, wenn es nicht auch dafür eine optische Untermalung gäbe. Auf der Leinwand ein riesiges Foto eines nackten Mannes mit Papiertüte auf dem Kopf, dem die Kotze am Hals und Bauch hinunterläuft. Bela hat sichtlich Spaß daran, dass die Präsentation zur Lesung diesmal auf einer riesigen Kinoleinwand gezeigt wird. Das Publikum ebenfalls.

Bela B bei der Lesung zu Scharnow

Abschließend eine Mexican-standoff-Szene. Blutig, brutal, ebenso grotesk wie die vorher gelesenen Szenen. Man merkt deutlich von welchen Filmen, welchem Genre, Bela B geprägt ist. Sollte Scharnow je verfilmt werden, so hätte sicher auch ein Tarantino große Freude an der Umsetzung.

Wie oft es bei Lesungen zu Zugaben kommt, weiß ich nicht. Bei Scharnow und Bela B jedenfalls gab es eine. Bela liest Amazon-Bewertungen vor, Szenen, die es nicht ins Buch geschafft haben, Anmerkungen seines Lektors.
Ein absolut kurzweiliger und unterhaltsamer Abend, mit einem sympathischen, gut gelaunten Bela. Würde ich mich nicht ohnehin schon so sehr darauf freuen das Buch zu lesen, seitdem es hier liegt, spätestens seit gestern Abend täte ich es. Ich kann es kaum erwarten in das kleine Kaff Scharnow zu kommen.

3
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
2 Kommentatoren
-Leselust Bücherblog-MlleFacettenreich Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste
Benachrichtige mich bei
-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Cathy,
Das kann ich mir richtig gut vorstellen, dass eine Lesung mit Bela B total cool ist. Das würde ich auch gern mal erleben. Klingt nach einem sehr unterhaltsamen Abend.
Ob das Buch etwas für mich wäre, weiß ich allerdings nicht so genau… :)
Liebe Grüße, Julia