Buch Altes Land von Dörte Hansen

Altes Land | Dörte Hansen

„Macht dich das nicht fertig“, fragte Anne, „dein Name auf dem Grabstein?“
Vera verstand die Frage nicht. „Da werde ich liegen, und das hab ich schriftlich. Gut zu wissen, wo man hingehört.“
Seite 244

Anne muss weg. Weg aus Hamburg Ottensen, wo alles gut zu funktionieren scheint, außer sie selbst. Mit ihrem Sohn flüchtet sie ins Alte Land, wo sie bei ihrer Tante Vera Unterschlupf findet, einst selbst geflüchtete.
Die beiden Damen arrangieren sich. Mit sich selbst, miteinander, den Menschen, mit der Vergangenheit und dem Leben. Vera hilft Anne sich zu fangen und Anne hilft Vera alte Geister zu vertreiben.

Die Figuren kochen oft ihr eigenes Süppchen, machen viel mit sich selbst aus. Um dann festzustellen, andere haben ähnliches erlebt, wissen wie es ist. Manch einer von ihnen ist in der schweren Zeit sogar da und hilft, es auszuhalten.
Neu geerdet werden, sich Wiederfinden trotz der Hoffnungslosigkeit. (Rettungs-)Anker sein, ohne es zu wissen.

Eine Familiengeschichte voller Tragik, so rührend, so liebevoll erzählt, ohne zu bedrücken. Man seufzt, aber man ist nie hoffnungslos.

Anne schaute aus dem Fenster. Die große Pappel an der Einfahrt hatte mit ihren kahlen Zweigen eine Plastiktüte eingefangen. Der Wind zerrte an dem dünnen grünen Beutel, als quälte er zum Spaß ein Tier.
Seite 49

Dörte Hansen hat eine unglaubliche, bildhafte Sprache. Mit wenigen Worten schafft sie es große Gefühle zu vermitteln. Schafft es Glück und Unglück zu verweben, wie nur das Leben es kann. Wie Gedanken selbst, springt ihre Erzählung zu den verschiedenen Figuren in verschiedenen Zeiten. Stück für Stück legt sie eine Familiengeschichte offen, die das Herz schwer macht, aber unglaublich starke Frauen hervorgebracht hat.

Die Wolken zogen ostwärts, als hätten sie Termine. Seite 167

Wieder eins dieser Bücher, bei denen ich bereue, dass sie so lange auf meinem SuB schmoren mussten. Ein Lieblingsbuch, das ich sicherlich noch oft empfehlen werde.

Man konnte ohne Mutter sein, ohne Gäste, ohne weiß gedeckten Tisch, man konnte allein in einer Küche sitzen und mit einem schiefen kleinen Mann Torte mit Suppenlöffeln essen, es war nicht schlimm.
Es war nur schlimm, wenn man dabei gesehen wurde.
Dann war es sehr schlimm.
Kiek man nich hen.
Seite 208


Weitere Rezensionen

Kerstin von KeJas Blogbuch

Julia von Leselust

2 Gedanken zu „Altes Land | Dörte Hansen

  1. -Leselust Bücherblog- sagt:

    Hach, du hast so schöne Worte für dieses Buch gefunden. Wirklich ein tolles Buch.
    Mir ging es mit dem Buch ja sehr ähnlich wie dir. Bei mir lag es ja auch ewig auf dem SuB und ist nun direkt ein Herzensbuch geworden. Auch ich werde es wohl noch viel empfehlen und verschenken.
    Ich freue mich schon so auf das neue Buch der Autorin. Die Erwartungen sind sehr hoch!
    Liebe Grüße

    • MlleFacettenreich sagt:

      Sehr hohe Erwartungen, aber ich bin mir fast sicher, dass sie dem gerecht werden wird. Bin sehr, sehr gespannt. :-)
      Liebe Grüße zurück. :-)

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